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04.06.2009  

7.500 Erzieherinnen und Sozialpädagogen legen Arbeit nieder

Um die Eltern zu entlasten, wurden die Streiks heute etwas zurückgefahren. Schwerpunkte waren Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt. Ilse Schaad kündigte weitere Eskalation an, falls die Arbeitgeber sich beim Entgelt nicht bewegen.

Ver.di und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben die Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst fortgesetzt: Heute legten 7.500 Erzieherinnen, Sozialarbeiter und -pädagogen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen und Sachsen-Anhalt die Arbeit nieder. Die Beschäftigten machten sich mit ihren Streiks für einem Gesundheitsschutz-Tarifvertrag stark. Um Eltern und Kinder zu entlasten, wird jetzt im Wechsel in den Ländern gestreikt.
 
„Wir fordern die Arbeitgeber auf, endlich ein diskussionsfähiges Angebot vorzulegen und mit den Gewerkschaften in ernste Verhandlungen einzusteigen. Sonst gehen die Streiks weiter. Die Beschäftigten haben den Kaffee auf, sie wollen endlich bessere Arbeitsbedingungen“, betonte GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad am Donnerstag in Frankfurt am Main. Für den Fall, dass keine Angebotssignale der Arbeitgeber kämen, kündigte sie für die nächste Woche weitere Streiks an.
 
Schaad machte deutlich, dass sich die Arbeitgeber in den seit Monaten parallel laufenden Verhandlungen für die neue Entgeltordnung für den Bereich Sozial- und Erziehungsdienst genauso verhielten wie im bestreikten Bereich Gesundheitsförderung: „Aussitzen, Verzögern, Blockieren! Damit zwingen die Arbeitgeber die Gewerkschaften, auch hier Streikfähigkeit durch Kündigung der entsprechenden Grundlagen herzustellen.“

Sachsen-Anhalt

Dessau - Wittenberg - Köthen

In Dessau-Roßlau legten 150 Erzieherinnen und Erzieher der städtischen Kindertageseinrichtungen die Arbeit ganztägig nieder. Neun von 16 Einrichtungen blieben geschlossen.
Ab 6:00 Uhr versammelten sich die Streikteilnehmerinnen im "Alten Bahnpostamt", das als Streiklokal diente. Nach einem Streikfrühstück gaben die Vertreter von GEW und ver.di einen Überblick zum Stand der Tarifverhandlungen. Es folgte eine Diskussion in deren Ergebnis ein Forderungskatalog zum Gesundheitsschutz erarbeitet und zu Papier gebracht wurde. Die Kolleginnen nutzten die Gelegenheit, um ihre Probleme, im Hinblick auf die notwendigen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen vorzutragen.
Gegen 10:00 Uhr begaben sie die Streikenden in einem geschlossenen Demonstrationszug zum Rathaus. Vor dem Rathaus fand eine kurze Kundgebung statt. Danach begaben sich alle 150 Teilnehmerinnen in das Rathaus, um dem Oberbürgermeister die Forderungen und einen Kita-Stuhl, damit der Bürgermeister mal ausprobieren kann, wie es ist, auf einem solchen Stühlchen zu sitzen, zu übergeben. Leider war er nicht persönlich anwesend. Die Personaldezernentin der Stadt Dessau-Roßlau sprach in seinem Namen zu den Streikenden und versicherte, dass das Anliegen der Kolleginnen in der Verwaltung und im Stadtrat Unterstützung finden würde. Nach dem Mittagessen wurde im Streiklokal zu weiteren tarifpolitischen Themen diskutiert. Hier stand die Forderung nach einem baldigen Tarifabschluss zur Entgeltordnung im Mittelpunkt. Darüber hinaus wurde von den Streikenden nochmals die Forderung bekräftig, die Arbeitsumfänge der Beschäftigten anzuheben. Schon jetzt werden viele Überstunden "gefahren", weil das Personal knapp ist. Trotzdem ist die Stadt nicht bereit, die Teilzeitbeschäftigungen im Umfang von durchschnittlich 25 Wochenstunden zu erhöhen.
Die anwesenden Kolleginnen machten noch einmal deutlich, dass sie zu weiteren Streikmaßnahmen bereit sind.
In Köthen wurden 11 städtische Kindertageseinrichtungen bestreikt. Trotz massiven Drucks aus der Stadtverwaltung waren 50 Teilnehmerinnen dem Aufruf der Gewerkschaften gefolgt. Das entspricht ca. 40 % aller Erzieherinnen.
Auch in der Lutherstadt Wittenberg waren viele Kolleginnen dem Streikaufruf gefolgt. Acht Einrichtungen blieben ganztägig geschlossen.



Text und Bilder: Frank Wolters


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