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02.09.2010

Berichte zur Wissenschaftskonferenz 2010

Tagesberichte zur 4. GEW-Wissenschaftskonferenz "Traumjob Wissenschaft? Karrierewege in Hochschule und Forschung", die vom 1. bis 4. September 2010 in Templin stattfand.

Aktuelle Berichte

4. GEW-Wissenschaftskonferenz in Templin eröffnet

150 TeilnehmerInnen diskutieren „Karrierewege in der Wissenschaft“

Templin, 2. September 2010. Am gestrigen Mittwoch hat der Vorsitzende der GEW, Ulrich Thöne, die 4. Wissenschaftskonferenz zur Frage „Traumjob Wissenschaft? Karrierewege in Hochschule und Forschung“ im brandenburgischen Templin eröffnet. Er machte dabei auf die katastrophalen Arbeitsverhältnisse für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Qualifikationsphase aufmerksam. Es müsse mehr denn je darum gehen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und jungen Menschen so auch eine Perspektive im Wissenschaftssystem zu geben. Die GEW als Bildungsgewerkschaft wird sich dieses Themas verstärkt annehmen, versicherte Thöne den 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – neben ExpertInnen, VertreterInnen wissenschaftspolitischer Organisationen und PolitikerInnen zahlreiche WissenschaftlerInnen in unterschiedlichen Karrierestufen.

Der Landesvorsitzende der GEW Brandenburg, Günter Fuchs, begrüßte die Gäste und machte auf die Herausforderungen einer dünn besiedelten Region aufmerksam, für die Bildung zunehmend zu einem harten Standortfaktor werde. In einem unterhaltsamen Beitrag führte er die Gäste auch in die Eigenheiten und Geschichte der Uckermark und der Stadt Templin ein – der flächenmäßig drittgrößten Stadt Deutschlands. Zugleich erinnerte er, 61 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, an den Weltfriedenstag.

Dr. Andreas Keller, Leiter des Organisationsbereichs Hochschule und Forschung im Geschäftsführenden Vorstand der GEW, ging in seiner Eröffnungsrede auf ein „uneingelöstes Vermächtnis“ ein: die lange Tradition von Anläufen zur Reform der Hochschulpersonalstruktur seit der deutschen Revolution 1848. Die Forderung nach einem fest angestellten Stammpersonal in für Daueraufgaben in Hochschule und Forschung neben der Professur stehe seit Jahrzehnten auf der wissenschaftspolitischen Agenda – ohne das bisher eine Lösung erkennbar sei. Allerdings seien die Chancen für eine Reform besser denn je, nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels in mehr und mehr Fächern.
Wie dringend dieses Problem anzugehen ist wurde in einem Beitrag von Prof. Dr. Reinhard Kreckel deutlich. Der Direktor des Instituts für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg machte die Alleinstellungsmerkmale der Personalstruktur an deutschen Universitäten im internationalen Vergleich mit anderen Industrieländern deutlich. Er hob hervor, dass der Anteil der Professuren in Relation zum sonstigen Personal an Universitäten (und in der Tendenz auch an Fachhochschulen) in Deutschland besonders niedrig ist. Die Kategorie des „Junior Staff“ ist in Deutschland faktisch gar nicht vorhanden, was einen Teil der fehlenden beruflichen Perspektiven im Wissenschaftssystem erklärt. Dagegen sind befristete WissenschaftlerInnenstellen in Deutschland stark vertreten.

Karoline Holländer vom europäischen DoktorandInnennetzwerk EURODOC gab einen Überblick über die Anforderungen an Doktorandinnen und Doktoranden im Europäischen Hochschulraum. Grundlage war eine internationale Vergleichsstudie, die EURODOC durchführt und in Kürze vorlegen wird. Dabei wurde beispielsweise deutlich, dass die Frage der sozialen Absicherung von Promovierenden in anderen Ländern deutlich besser gelöst ist als in Deutschland.

Der erste Tag der Wissenschaftskonferenz klang bei einem Empfang aus, zu dem der Landesverband Brandenburg der GEW und der GEW-Hauptvorstand gemeinsam eingeladen hatten. Deutlich wurde bereits am ersten Tag, dass die beruflichen Perspektiven sowie die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen von WissenschaftlerInnen gravierende Defizite aufweisen. Lösungsvorschläge und Forderungen sollen in den kommenden Konferenztagen diskutiert und entwickelt werden. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte GEW-Wissenschaftkonferenz wird am Samstag, 4. September zu Ende gehen.



Zweiter Tag der GEW-Wissenschaftskonferenz

87 Prozent der wissenschaftlichen Angestellten haben befristete Verträge

Dr. Anke Burkhardt vom Institut für Hochschulforschung Wittenberg eröffnete den zweiten Tag der Wissenschaftskonferenz mit einem Vortrag zu den Brüchen und Risiken der Karriere an Hochschulen. Sie stellte die Ergebnisse des Bundesberichts zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses (BuWiN) vor. Burkhardt machte auf die langen Wege zu einer Professur aufmerksam und stellte die Veränderung in der Stellenfinanzierung dar: Drittmitteleinnahmen Stellen steigen deutlich schneller an als die staatlichen Grundmittel.
Atypische und prekäre Beschäftigungsformen an den Hochschulen haben massiv zugenommen. Einerseits tragen die nebenberuflich Lehrenden einen zunehmenden Anteil der Lehre. Andererseits nimmt vor allem die Befristung im Mittelbau zu: Im Jahr 2005 kamen auf einen unbefristet Angestellten noch 3,9 befristet Beschäftigte. 2008 waren es bereits 6,7, d.h. nur 13 Prozent der im Mittelbau beschäftigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind auf unbefristeten Stellen beschäftigt. Zudem arbeiten über die Hälfte in Teilzeit und ebenfalls über die Hälfte auf drittmittelfinanzierten Stellen.

Im Anschluss an den Vortrag von Anke Burkhardt fand die erste Runde der Arbeitsgruppen statt. In sechs Gruppen wurden verschiedene Themen rund um die Beschäftigungssituation in der Wissenschaft bearbeitet. Expertinnen und Experten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Dr. Katja Fettelschoß), vom Wissenschaftsrat (Dr. Sabine Behrenbeck), von der Hochschulrektorenkonferenz (Dr. Peter Zervakis) sowie aus der Forschung (Dr. Heike Kahlert, Universität Rostock) und der GEW (Dr. Roland Bloch, Frauke Gützkow, Prof. Dr. Hans-Dieter Klein) gaben wertvolle Diskussionsanstöße. Die Arbeitsgruppen setzen ihre Beratungen am Freitag fort, am Samstag werden die Ergebnisse im Plenum präsentiert..

Am Nachmittag nahmen zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Wissenschaftskonferenz an einer Stadtführung in teil. Templin ist die siebtgrößte Stadt/Gemeinde der Bundesrepublik Deutschland, wenn die Fläche zu Grunde gelegt wird. Zum Vergleich: Frankfurt am Main – hier sitzt der Hauptvorstand der GEW – folgt auf Platz 41.

Am Abend sprach der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg, Martin Gorholt, zum Thema „Exzellenz bei Überlast? Herausforderungen für die Hochschulpolitik in Deutschland“. Gorholt verteidigte dabei die Idee der Exzellenzinitiative, wies gleichzeitig aber auf das Problem hin, dass nur die Hochschulen gewinnen konnten, die bereits vergleichsweise gut ausgestattet waren. Zur Frage der Überlast verwies Gorholt auf eine vergleichsweise hohe Studierendenquote in Brandenburg und die demografische Entwicklung, die zu abnehmenden Studierendenzahlen führen könne. Die Politik Brandenburgs zielt daher auf die Mobilisierung weitere Schichten für ein Studium, weshalb ein Schüler-BAföG eingeführt wurde und die Schulen offen gehalten werden. Zudem soll der Zugang vom Bachelor zum Master geöffnet werden.

Insgesamt machte Staatssekretär Gorholt auf die Probleme der föderalen Struktur der Bundesrepublik aufmerksam, da die Länder kaum noch finanzielle Spielräume hätten. Er fordert einen kooperativen Föderalismus bei Bildung.
In der anschließenden Debatte wurden vor allem die Probleme der Befristungen und der Finanzen besprochen. Martin Gorholt sagte zu, Daten vorzulegen, wie hoch der Anteil der befristeten Beschäftigungsverhältnisse an den Hochschulen in Brandenburg ist. Mit dem Landesverband der GEW soll zudem gemeinsam überlegt werden, wo Befristungen ggf. in Dauerstellen überführt werden können, so Staatssekretär Gorholt.


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Dritter Tag der GEW-Wissenschaftskonferenz

Dr. Silke Gülker vom Wissenschaftszentrum Berlin eröffnete den dritten Tag der Wissenschaftskonferenz mit einem Vortrag zum Thema „Autonomer, aber weiter unsicher – Maßnahmen zur Reform der Karrierewege auf dem Prüfstand“. Dabei wertete sie die Wirkung neuer Personalkategorien (Juniorprofessur, Nachwuchsgruppenleitung) aus. Als Vorteile werden etwa die größere Transparenz bei der Berufung und die größere Statusklarheit (ProfessorInnen-Titel) genannt.

Ein Problem sah sie im fehlenden Vertrauen in die neuen Positionen: Sowohl NachwuchsgruppenleiterInnen als auch JuniorprofessorInnen streben zusätzlich sehr häufig eine Habilitation an. Insgesamt haben die neuen Positionen die grundlegende Struktur des Arbeitsmarktes Wissenschaft nicht verändern können. Der berühmte „Flaschenhals“ nach der Promotion habe sich teilweise sogar verengt, da die Anzahl der unbefristeten Stellen in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Der Stellenaufwuchs im Wissenschaftssystem werde komplett vom akademischen Mittelbau aufgefangen, diese Stellen seien jedoch zu einem erheblichen Anteil befristet. Zudem gebe es bis heute kaum eine Durchlässigkeit zwischen Wissenschaft und Praxis, da die Anerkennungssysteme in Wirtschaft und Wissenschaft sehr unterschiedlich sind, so Silke Gülker.
Um diese Probleme zu überwinden seien einerseits mehr Ressourcen notwendig, andererseits sei jedoch auch ein Umdenken bei den Reputationsmechanismen innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft notwendig. Zudem müssten Anreize für die Schaffung von Dauerstellen neben der Professur gesetzt werden.

Podium mit VertreterInnen der Parteien

Im Anschluss fand eine Podiumsdiskussion mit den im Bundestag vertretenen Parteien und einer Vertreterin der DoktorandInnen in der GEW statt. Für die Bundestagsfraktionen nahmen an der Diskussion die Abgeordneten Dr. Stefan Kaufmann (CDU/CSU), Swen Schulz (SPD), Krista Sager (Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Petra Sitte (Die Linke) teil. Für die FDP war der brandenburgische Landtagsabgeordnete Jens Lipsdorf gekommen.
Claudia Koepernik vertrat die Projektgruppe Doktorandinnen und Doktoranden in der GEW, moderiert wurde das Podium von Yvonne Globert von der Frankfurter Rundschau.

In den Eingangsstatements wurde in vielen Punkten eine Übereinstimmung festgestellt, gleichzeitig wurden aber auch Differenzen sichtbar. Yvonne Globert wies darauf hin, dass die Parteien zur Reform der Karrierewege ähnliche Forderungen vertreten, die vor etwa einem Jahr auch im Bundestag diskutiert wurden, ohne dass sich seither viel an der Situation geändert habe.

Stefan Kaufmann lobte die Exzellenzinitiative als Beispiel für die Schaffung von zusätzlichen Stellen für Postdocs. Zudem denke die Union ernsthaft über die Lockerung oder Aufhebung des Kooperationsverbots nach, um dem Bund wieder mehr Möglichkeiten der Finanzierung zu geben.

Jens Lipsdorf ging in seinem Statement auf die Finanzierung der Hochschulen ein. Er betonte das Postulat der FDP, dass die Autonomie der Hochschulen gestärkt werden solle und der Staat nur den Rahmen vorgeben solle.

Swen Schulz machte auf die Erfolge der rot-grünen Bundesregierung nach 1998 aufmerksam und nannte insbesondere die Einführung der Juniorprofessur. Aktuell geht es der SPD vor allem um die Verbesserung der Lehre – hierzu wird ein Programm für gute Lehre gefordert. Zudem sollen mehr reguläre Stellen im akademischen Mittelbau entstehen.

Krista Sager machte deutlich, dass die Personalentwicklung an den Hochschulen nicht mit dem Ziel der Öffnung der Hochschulen Schritt halte. Zudem sei der Hochschulpakt nicht ausfinanziert, was einen Druck hin zu prekärer Beschäftigung erzeuge. Die Grünen halten die Juniorprofessur für den richtigen Weg für die Vorbereitung auf eine Professur. Hier sei eine neue Initiative für ein Bund-Länder-Programm zur Finanzierung von Juniorprofessuren wünschenswert.

Petra Sitte machte darauf aufmerksam, dass es seit der Bundestagsdebatte vor einem Jahr trotz zahlreicher Bekenntnisse nichts grundsätzlich verbessert habe. Auch Sitte nannte die fehlende Ausfinanzierung des Hochschulpakts als Problem. Das Problem der Postdocs sei zudem drängender, als es das vor einem Jahr wahrgenommen wurde. Sitte forderte zudem eine Vereinheitlichung der Personalkategorien in den Ländern. Als Probleme nannte sie die Kürzungen bei Frauenförderung und fehlende Mittel zur MigrantInnenförderung sowie die Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

Claudia Koepernik fehlten die langfristigen Perspektiven nach der Promotion. Es sei insgesamt eine schwierige und unübersichtliche Situation, was durch die verringerten Kompetenzen des Bundes eher schwieriger zu lösen sei. Sie möchte eine Dauerstelle, die sie nicht zur Mobilität zwingt und sie will selbst entscheiden können, ob sie Voll- oder Teilzeit arbeitet.


In den anschließenden Fragerunden wurden verschiedene Themen behandelt. Wichtige Themen waren die Schaffung von Dauerstellen und die Frage der Juniorprofessuren.

Stefan Kaufmann kritisierte die geplante Abschaffung von Studiengebühren in NRW, da mit diesen Geldern auch Stellen finanziert würden. Die VertreterInnen von SPD, Grünen und Linken nannten hingegen die verfehlte Steuerpolitik als Problem, da so das Geld für eine vernünftige Stellenfinanzierung fehle. Bei der Juniorprofessur zeichnet sich eine größere Akzeptanz auch innerhalb der CDU ab. Zudem werde das Kooperationsverbot in Frage gestellt, Swen Schulz hat sogar Hoffnungen, dass dieses noch in dieser Legislaturperiode fällt.

Ein weiteres Thema war die Gleichstellungspolitik. Hier bestand große Einigkeit bei den VertreterInnen der Oppositionsparteien und Claudia Koepernik: Es wird die Quotierung gefordert. Als Modell benannte Krista Sager das so genannte Kaskadenmodell, wonach der Anteil der Frauen auf jeder Stufe im Wissenschaftssystem mindestens dem Anteil auf der vorherigen Stufe entsprechen muss. Darüber hinaus forderte sie einen Abschied vom „heroischen Berufsbild“ des Wissenschaftlers, der sich von morgens bis abends, von montags bis sonntags der Wissenschaft hingibt.

In der Diskussion mit dem Plenum spielte die Forderung nach mehr dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen eine große Rolle, wobei hier von Seiten der Regierungsfraktionen auf die Notwendigkeit größerer Flexibilität verwiesen wurde. Insgesamt war jedoch klar, dass hier Handlungsbedarf bestehe. Petra Sitte nannte Personal-Pools als Lösungsansätze, Krista Sager machte auf die Notwendigkeit betriebsbedingter Kündigungen als Konsequenz einer Ausweitung unbefristeter Beschäftigungsverhältnisse aufmerksam. Swen Schulz benannte die katastrophale Situation der Lehrbeauftragten, Claudia Koepernik kritisierte die exzessive Befristungspraxis und fordete Mindestvertragslaufzeiten.

Dr. Andreas Keller, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der GEW, machte deutlich, dass es zwar viele Regelungen gäbe, die auf Ebene der Länder oder der einzelnen Einrichtungen zu lösen seien. Dennoch könne auch der Bund aktiv werden. Erstens solle das Wissenschaftszeitvertragsgesetz geändert werden, welches ein Bundesgesetz ist. Hier sei insbesondere die Aufhebung der Tarifsperre notwendig, damit Arbeitgeber und Gewerkschaften vom Gesetz abweichende Befristungsregeln aushandeln könnten .Zweitens müsse der Bund seine Verantwortung als Tarifpartner (Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes für Bund und Kommunen – TVöD) wahrnehmen. Als dritten Punkt nannte Andreas Keller aktuelle und bevorstehende Bund-Länder-Programme, wie zuletzt den anstehenden Qualitätspakt der Lehre. Er forderte, dass die Gelder aus Programmen nur an Hochschulen vergeben werden dürften, die Stellen mit Tenure Track schaffen und die Mindeststandards bei der Beschäftigung einhalten. Zudem müsste eine Frauenquote von über 50 Prozent berücksichtigt werden.

Am Mittag fand die zweite Sitzung der Arbeitsgruppen statt, ein Bericht hierzu erfolgt am Samstag im Plenum.

Unbefristet befristet?

Thema des Nachmittags war das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZVG). Dr. Georg Jongmanns von der Hochschul-Informations-System GmbH, die vom BMBF mit der Evaluation des Gesetzes beauftragt wurde, zeigte auf, dass es eine deutlich steigende Tendenz bei den Befristungen gibt. Nach den gestern gemachten Angaben von Anke Burkhardt sind 87 Prozent der wissenschaftlichen Angestellten befristet. Nimmt man die akademischen Räte hinzu, so landet man bei 82 Prozent befristeter Beschäftigter. Jongmanns stellte die geltenden Regeln der WissZVG vor, insbesondere die 6+6–Regelung, wonach sechs Jahre bis zur Promotion und sechs nach der Promotion befristete Beschäftigung ohne Angabe von Sachgründen zulässig sind. Er wies darauf hin, dass auch die Lehrkräfte für besondere Aufgaben unter das WissZVG fallen.

Im Herbst wird die Übergabe eines Evaluationsberichts an das Bundesministerium für Bildung und Forschung erfolgen. Derzeit können noch keine Ergebnisse präsentiert werden.
Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Jongmanns fand eine Podiumsdiskussion statt. An dieser von Dr. Diethard Kuhne (GEW) moderierten Diskussion nahmen neben Jongmanns Manfred Scheifele (Arbeitsgemeinschaft der Betriebs- und Personalräte der außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Fraunhofer Gesellschaft), Dr. Sybille Jung (Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragen an Hochschulen) und Achim Brötz (Personalratsvorsitzender an der Universität Mannheim) teil.


Manfred Scheifele machte darauf aufmerksam, dass bei Fraunhofer die Drittmittel die Hauptfinanzierungsquelle sind. Er berichtet über signifikante Steigerungen der befristeten Verträge seit 2006 auch beim nichtwissenschaftlichen Personal. Bei Fraunhofer dürfen die Ausgaben für unbefristete Stellen 50 Prozent der Betriebsausgaben nicht überschreiten. Er machte zudem auf die kurzen Laufzeiten der Befristungen aufmerksam, zudem gebe es teilweise Kettenverträge. Im WissZVG fehlen seiner Ansicht nach Mindeststandards bei Laufzeiten und Kettenverträgen.
Sybille Jung wies auf diverse Probleme bei der Anerkennung von Kindererziehungszeiten – insbesondere in Drittmittelverträgen – hin. Zudem fehle die Anerkennung von Teilzeitverträgen bei der Frage der Befristungsdauern. Insgesamt habe die BuKoF den Eindruck, dass die neuen Regelungen nicht präsent sind und so Betroffene oft zu spät um Lösungen bemüht sind. Eine Neuregelung des WissZeitVG wird angestrebt.
Achim Brötz geht davon aus, dass die Hochschulen mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz zufrieden sind. Dies gilt nach seiner Ansicht auch für die meisten Betroffenen. Allerdings sind erhebliche Probleme ebenfalls vorhanden. Achim Brötz weist darauf hin, dass die Frage nach den Auswirkungen des Gesetzes auf die Betroffenen kein Gegenstand der Evaluation sei. Absurd sei es, die Zeit von Beschäftigungen neben dem Studium in die Befristungsregelungen einzubeziehen. Zudem würden auch Stellen befristet, die keinerlei Qualifikationsstellen sind und die Daueraufgaben beinhalten. Als Beispiel werden StudiengangmanagerInnen genannt, die auf Grund des WissZ befristet würden, obwohl es sich nicht um wissenschaftliche Beschäftigungen handele..
Breite Zustimmung erfuhr die Forderung nach Abschaffung der Tarifvertragssperre, wobei angemahnt wurde, dass sich die Gewerkschaften inhaltlich auf die Zeit nach Aufhebung der Sperre einstellen müssen.

Der Abend des dritten Tages der Wissenschaftskonferenz klang mit einem Barbecue-Abend am Strand des Lübbesees aus.


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