Startseite


 
 
 
 
 
 
 
 

Beschäftige in Hochschule und Forschung

Die GEW vertritt die Interessen aller Beschäftigten in Hochschule und Forschung. Als Reformmodell für den Wissenschaftsbereich hat sie ein eigenes Personalstrukturkonzept entwickelt: „Wissenschaft als Beruf“. Dieses Konzept wurde seit Ende der 1990er Jahre personengruppenspezifisch vertieft.

Die Aufgaben der Hochschule in den Bereichen von Forschung, Lehre und wissenschaftsnaher Organisation und Verwaltung werden zur Zeit von Beschäftigten in vielfältigen Personalkategorien durchgeführt, bei denen oftmals die Wahrnehmung von auf Dauer angelegten Funktionen und die zeitliche Befristung nicht im Einklang stehen.

Bundesweit gibt es in der Regel Professuren und Juniorprofessuren, Stellen für wissenschaftliche MitarbeiterInnen, Lehrkräfte für besondere Aufgaben und LektorInnen. Hinzu kommen länderspezifisch weitere Kategorien sowie Vergütungen für wissenschaftliche Hilfskräfte mit Abschluss und für Lehraufträge.

Die GEW hat als Reformmodell für den Wissenschaftsbereich ein eigenes Personalstrukturkonzept entwickelt: „Wissenschaft als Beruf". Das Konzept

  • setzt sich mit den veränderten rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen im Verhältnis zwischen Hochschulen und Staat auseinander,
  • legt die Personalkategorien und ihren Status am Arbeitsplatz Hochschule und Forschung aufgabengerecht und einheitlich fest,
  • beschreibt den ungehinderten Qualifikationsweg des wissenschaftlichen Nachwuchses und
  • versteht wissenschaftliche Tätigkeit professionell und will die Arbeitsbeziehungen tarifvertraglich regeln.

Statt an der Professur hat sich die Personalstruktur an der Profession zu orientieren und allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, unabhängig davon, ob sie auf eine Professur berufen werden oder nicht, die Chance zu eröffnen, Wissenschaft als Beruf zu betreiben. Nach Auffassung der GEW muss es daher vermehrt möglich sein, auch unterhalb der Professur in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen auf Dauer und mit Entwicklungsperspektiven wissenschaftlich zu arbeiten. Das Konzept zur Institutionalisierung des nichtprofessoralen wissenschaftlichen Personals mit der Figur des sogenannten „scientific worker" wurde erstmals 1986 von Harro Plander beschrieben. Es ist seitdem Beschlusslage der GEW und wurde mit dem Essener Gewerkschaftstag 1993 Teil ihres wissenschaftspolitischen Programms. Eine breite Diskussion mit der hochschulpolitischen Öffentlichkeit fand z.B. auf der 15. GEW-Sommerschule 1995 statt. Der Bundesfachgruppenausschuss Hochschule und Forschung (BFGA HuF) hat am 24.08.1996 ein „Positionspapier zur aufgabengerechten Personalstruktur an Hochschulen" beschlossen. Der GEW-Gewerkschaftstag 2009 fasste einen Beschluss „Für eine aufgabengerechte Personalstruktur an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen"; im im gleichen Jahr beschlossenen neuen wissenschaftspolitischen Programm der GEW behandelt ein Abschnitt die Thematik. Erneut fordert die GEW darin eine aufgabengerechte Personalstruktur für Hochschule und Forschung. Die GEW-Wissenschaftskonferenz 2010 widmete sich vom 1.-4.9. dem Thema „Karrierewege in Hochschule und Forschung". Ein Ergebnis ist das „Templiner Manifest", das auch online unterzeichnet werden kann. Auf einem Follow-up-Kongress am 21.1.2011 wurde u.a. eine im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung erstellte Studie der Berliner Politikwissenschaftlerin Silke Gülker vorgestellt, nach der auf die Hochschulen ein enormer Einstellungsbedarf an wissenschaftlichem Personal zukommt. Die GEW forderte daher eine Entfristungsoffensive für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Hochschulen.

Das Konzept „Wissenschaft als Beruf" wird seit den frühen 1990er Jahren von einer bundesweiten GEW-Projektgruppe (ProG Arbeitsplatz HuF) beim Vorstandsbereich Hochschule und Forschung kontinuierlich weiterentwickelt. Aus dem Kreis der Projektgruppenmitglieder stammen weitere Publikationen.
 
Die GEW hat ihre Positionen in die „Expertenkommission zur Reform des Dienstrechts“ eingebracht sowie in Anhörungen des Wissenschaftsrats und des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung vertreten. Auch in der Auseinandersetzung um die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 27.07.2004 hat sich die GEW ausführlich gegenüber den Wissenschaftsministerien in Bund und Ländern sowie den Wissenschaftsorganisationen zur Hochschulpersonalstruktur geäußert.

Die deutsche Reformdebatte wurde von der GEW stets – nicht erst seit der Absichtserklärung von Bologna im Jahr 1999 – auch mit Blick auf die europäischen Nachbarn geführt. Es ist nicht zuletzt gewerkschaftlicher Initiativen zu verdanken, dass sich die Europäische Kommission seit einigen Jahren mit der Personalstruktur und den Beschäftigungsbedingungen im europäischen Hochschul- und Forschungsraum beschäftigt. Inzwischen liegen erste Sachstandsbeschreibungen und Datenerhebungen vor, die Ländervergleiche ermöglichen.

Das Konzept „Wissenschaft als Beruf" wurde seit Ende der 1990er Jahre personengruppenspezifisch vertieft. Wichtige Etappen markieren:


  • das GEW-Werkstattgespräch zur "Reform der Personalstruktur und des Dienstrechts" im Juli 2000;
  • das Internationale Wissenschafts-Forum "Shaping the European Area of Higher Education and Research" im April 2003;
  • die 23. GEW-Sommerschule 2003 zum Thema "Flexibilisierung und Wettbewerb – Über die Attraktivität der Arbeitsbedingungen in Hochschule und Forschung";
  • der Workshop „Reform der Personalstruktur an Universitäten und Fachhochschulen“ im März 2007.

Die GEW hat ihre Forderungen und Vorschläge durch einen internationalen Vergleich der Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Personals im europäischen Hochschul- und Forschungsraum untermauert. Unverzichtbare Bestandsaufnahmen zur Personalstruktur und Studien zu einzelnen Beschäftigtengruppen wurden von der GEW angeregt und unterstützt.

Im Frühjahr 2004 hat der GEW-Vorstandsbereich Hochschule und Forschung personengruppenspezifische Thesen und ausführliche Argumente zu studentischen Beschäftigten, DoktorandInnen, wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und JuniorprofessorInnen veröffentlicht. Diese Materialien wurden von der GEW-Projektgruppe „Arbeitsplatz Hochschule und Forschung“ in Auseinandersetzung mit der 5. Novelle des Hochschulrahmengesetzes (HRG) aus dem Jahr 2002 erarbeitet. Neben den Studierenden und dem Wissenschaftlichen Nachwuchs organisieren sich gerade auch selbstständige Lehrkräfte im Wissenschaftsbereich in der GEW. Die GEW vertritt die Interessen aller Beschäftigten in Hochschule und Forschung.


/ zum Seitenanfang