Der Weltbildungsbericht (Global Monitoring Report) wird jährlich im Auftrag der UNESCO von einem unabhängigen Team verfasst. Er liefert einen Zwischenstand zur Umsetzung der sechs Ziele "Bildung für alle" (Education for all), zu deren Verwirklichung bis zum Jahr 2015 sich 164 Länder auf dem Weltbildungsforum in Dakar im Jahr 2000 verpflichtet hatten. Die sechs Ziele "Bildung für alle" sind: Ausbau der frühkindlichen Förderung und Erziehung, Grundschulbildung für alle Kinder weltweit, Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen, Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, Gleichberechtigung der Geschlechter und Verbesserung der Bildungsqualität.
Der diesjährige Bericht trägt den Titel "Die unbeachtete Krise: Bewaffneter Konflikt und Bildung" und richtet sein Augenmerk auf die besondere Situation von Bildung in Konfliktländern. Zwischen 1999 und 2008 waren 35 Länder von Konflikten betroffen. Lehrkräfte, Kinder und Schulen geraten immer wieder in die "Schusslinie" von Konfliktparteien und werden als legitime Ziele betrachtet. Allein in Afghanistan wurden 2009 mindestens 613 Schulen angegriffen. Im Nordjemen wurden 2009 und 2010 bei Kämpfen zwischen Regierungskräften und Rebellen 220 Schulen zerstört, beschädigt oder geplündert. In Kolumbien geraten Schulen und Lehrkräfte immer wieder ins Fadenkreuz von Paramilitärs und Guerilla.
"Bewaffnete Konflikte sind in vielen Weltregionen ein großes Hindernis für gesellschaftliche Entwicklung. Dennoch werden die Auswirkungen von Konflikten für die Bildung weitestgehend ignoriert", so die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa bei der Vorstellung des Berichts Anfang März 2011 in New York. Mit Blick auf den UNESCO Bericht warnt der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne: "Die Angriffe auf Bildungseinrichtungen und auf die Menschen, die in ihnen arbeiten und lernen, stellen eine ernsthafte Verletzung der Menschenrechte dar, insbesondere des Rechts auf Bildung und auf körperliche Unversehrtheit. Sie bedrohen die Verwirklichung der 'Bildung für alle'-Ziele bis 2015.“
![]() | ![]() | ![]() |
Links: Grundschule in Ost-Timor
Mitte: Ein kongolesisches Mädchen in einem halb fertigen Klassenzimmer der Mugosi Grundschule nahe des Kathe-Flüchtlingslagers in der Demokratischen Republik Kongo
Rechts: Schulkinder im Kakuma-Flüchtlingslager in Kenia
Fotos: UNESCO/ Leite Soares, M. Hofer, D. Willetts