/ Bildungsbereiche
/ Schule
/ Elternarbeit
Statements: ElternarbeitVon Eltern erwarte ich, dass sie ihren Kindern vermitteln, dass Lernen wichtig ist, dass das Erlernte wertvoll ist, und dass es Spaß macht, etwas zu lernen. Ich wünsche mir auch, dass alle Aktivitäten der Kinder in der Schule von den Eltern geschätzt und gewürdigt werden. Der Spaßfaktor beim Vokabelnlernen wird sich immer in Grenzen halten. Es geht aber auch um die Beteiligung an Schülerwettbewerben, an Kunst- und Musikprojekten und dem Engagement in Schulmannschaften. Die Kinder sollen merken, dass ihr schulisches Leben kein lästiges Übel ist.
Als Lehrer kann ich alleine schlecht erreichen, dass meine Schüler eine solche positive Grundhaltung entwickeln. In den Klassen, in denen ich als Fachlehrer unterrichte, sehe ich die Jugendlichen oft nur zwei oder drei Stunden die Woche. Wenn ich dann etwa ein Bild malen oder einen Text schreiben lasse, kann ich zwar dem einzelnen Schüler mitteilen, das hast du gut gemacht oder das gefällt mir weniger. Signalisieren aber die Eltern zu Hause, dass ihnen mein Urteil egal ist, dann habe ich das Gefühl, dass meine Arbeit zum Teil ins Leere läuft. Es ist auch unglaublich mühsam, sich um jene Schüler und Schülerinnen zu kümmern, deren Eltern keine Rückmeldung geben und die vielleicht deshalb keinen Ehrgeiz entwickeln. Wenn in jeder Klasse oder jedem Kurs ein oder zwei Schüler sind, bei denen ich ständig Briefe wegen mangelnden Lerneifers oder -erfolgs schreiben muss oder denen ich immer wieder im Unterricht erklären muss, was wichtig ist, geht das auf Kosten der anderen.
Manchmal wundere ich mich auch, dass sich Eltern überhaupt nicht bei mir melden und wissen wollen, was mit ihrem Kind ist. Wenn etwa zwei Arbeiten hintereinander schlecht ausfallen, erwarte ich, dass unter der Note nicht nur die Unterschrift der Eltern steht, sondern auch mal der Satz, dass man gerne ein Gespräch hätte. Das passiert eher selten.
Kontakt mit Eltern gibt es vor allem bei den Elternabenden und den Sprechtagen. Oder ich bitte um Rückruf oder rufe selbst an, wenn etwas schief läuft. Die meisten Eltern sehe ich einmal im Jahr. Eltern von Schülern, bei denen alles im Lot ist, treffe ich manchmal das ganze Jahr nicht. Aber Eltern müssen nicht alle vier Wochen auf der Matte stehen.
Eltern und Lehrer werden in Zukunft mehr als heute miteinander zu tun haben. Es verändert sich so vieles in der Schule, dass es nötig ist, sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten, z. B. über familiäre Veränderungen, Trennung der Eltern oder Tod eines nahen Angehörigen. Diese Dinge sollten zumindest dem Klassenlehrer mitgeteilt werden.
Am meisten ärgert es mich, wenn Eltern ihren Kindern wortwörtlich all das glauben, was diese über Schule und Lehrer erzählen. Nicht, dass sie ihren Kindern immer misstrauen sollten. Aber wenn etwas Schlechtes erzählt wird, wäre es doch angebracht, auch mal die Schule oder den einzelnen Lehrer zur Sache zu hören. Elterngespräche selbst erlebe ich meist als sehr positiv. Sie sind fast immer sachlich, das Klima ist gut.
Albrecht Pachl,
Lehrer für Politik und Wirtschaft, Geschichte, katholische Religion und Ethik an der Gesamtschule Konradsdorf in Ortenberg im Wetteraukreis.
Ich wünsche mir von Lehrern, dass sie Kindern den Unterrichtsstoff so vermitteln, dass ihn alle mit ihren unterschiedlichen Begabungen erfassen können. Es wäre auch schön, wenn Lehrerinnen und Lehrer offener für das Gespräch mit den Eltern wären. Oft wird ein Gespräch erst dann angesetzt, wenn es bereits zu spät ist. Mir wäre es lieber, früh zu erfahren, dass mein Kind Probleme in der Schule hat. Die Lehrer verbringen den Vormittag mit den Kindern und können deshalb deren schulische Probleme schneller entdecken als die Eltern zu Hause. Bei einem rechtzeitigen Kontakt zwischen Lehrern und Eltern könnte ein leistungsmäßiges Abrutschen des Kindes eher verhindert werden. Auf den Elternabenden wird nur der Leistungsstand der gesamten Klasse bekannt gegeben, nicht der einzelner Kinder. Ich kann mir aber nur durch ein persönliches Gespräch ein Bild über die Kenntnisse meines Sohnes machen. Ist er aufmerksam im Unterricht, macht er mit? Oder braucht er von mir mehr Unterstützung? Sobald ich das weiß, kann ich eingreifen, bevor es zu spät ist.
Ich möchte auch nicht immer nur dann von Lehrern angesprochen werden, wenn elterliche Arbeitskraft gebraucht wird, etwa den Schulhof zu gestalten oder die Bücherei auf Vordermann zu bringen. Ich finde es zwar nicht verkehrt, wenn Eltern sich für Schulbelange einsetzen, aber das darf nicht einseitig sein. Lehrer könnten mich z. B. mal fragen, wie ich mir als Elternteil die weitere Entwicklung der Schule vorstelle oder was im Unterricht wichtig sein könnte. Viele Lehrer haben vermutlich Angst, dass man ihnen zu viel in ihre Arbeit hineinreden will. Sehr gefreut habe ich mich, als mir eine Lehrerin bei einem schulischen Problem meines Sohnes das Gefühl gab, ich bin nicht alleine damit. Sie hat das Problem erkannt und versprach, mit ihren Kollegen zu sprechen und dafür sorgen, dass mein Sohn nicht länger demotiviert in die Schule kommt.
Am meisten ärgert mich, wenn Eltern vermittelt bekommen, das Problem, das man anspricht, existiere gar nicht. Wenn die Botschaft lautet: „Du als Elternteil mischst dich hier in meine Arbeit ein, und ich will das nicht.“
Inka Gruhne,
Mutter von zwei Söhnen in der 5. bzw. 8. Klasse eines Wiesbadener Gymnasiums.
Die Komplimente „meiner“ Eltern betrachte ich als Resultat einer Offenheit und der Erkenntnis, dass wir nur gemeinsam das Beste für die Kinder erreichen können. Doch wir müssen auch feststellen, dass die gesellschaftliche Entwicklung das Miteinander schwieriger macht. Viele Erwachsene haben so große Probleme mit sich selbst, mit Arbeitslosigkeit oder Trennung, dass sie das Gemeinsame aus den Augen zu verlieren drohen.
Gemeinsam, bedeutet für mich aber nicht „allzeit bereit“. Ich bin nicht wegen jeder fehlenden Rolle Toilettenpapier ansprechbar. Mitunter habe ich Eltern auch enttäuschen müssen, die plötzlich vor der Tür standen, dann aber von mir vertröstet worden sind, weil ich in den Unterricht musste. Ärger oder Murren gibt es deswegen aber zumeist nicht. Es sei denn, die so „Abgewiesenen“ gehören zu jener Gruppe, die es an jeder Schule gibt und die ich die Meckerfraktion getauft habe. Zwar gehören weniger als zehn Prozent aller Eltern dazu, die aber können mitunter ganz schön nervig sein. Einigen von ihnen fehlt die notwendige Gelassenheit im Umgang mit Kindern. Sie wollen alles bis ins Kleinste regeln. Da droht Überbehütung. Und am Ende wundert man sich, dass die Kinder unselbstständig sind. Mein Appell an diese Eltern: Schenkt uns Lehrern ein wenig mehr Vertrauen. Ich muss mich aber auch selbstkritisch an die eigene Nase packen. Eigentlich beschäftigen wir uns mit diesen Meckereltern viel zu viel. Manche Eltern sind schlicht mit Kindererziehung überfordert, anderen reicht es aus, ihr Kind an der Tür abzugeben, das Rundrum-Sorglos-Paket zu buchen und „frei“ zu sein. Ihnen Erziehungskurse anzubieten, macht wenig Sinn. Es kommen eh die falschen – die, die derartige Unterstützung eigentlich nicht benötigen.
Trotzdem überwiegt für mich eindeutig das Positive im Miteinander. Doch nichts ist so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte. Vielleicht wäre es hilfreich, mehr über die Eltern und ihre Berufe zu wissen. So könnten wir ungeahnte Potenziale nutzen. Etwa, wenn es darum geht, mit Problemen in einer Klasse umzugehen. Sprengt ein Kind z. B. regelmäßig durch sein Verhalten den Unterricht, gibt es bislang nur Gespräche mit seinen Eltern. Wir sollten darüber nachdenken, so etwas zum Thema der gesamten Klasse zu machen, ohne das Kind selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Eventuell können im größeren Kreis Lösungen gefunden werden, die auf Schuldzuweisung und die „Ausmusterung“ des Störenfrieds verzichten.
Nicht ganz wohl ist mir beim Gedanken daran, dass seit diesem Schuljahr die Grundschulen in Nordrhein-Westfalen weitaus mehr Gewicht bei der Entscheidung über die Wahl der weiterführenden Schule haben. Einige Lehrer sind verunsichert, weil sie jetzt die Karriere der Kinder nach der vierten Klasse bestimmen sollen. Aber ich verspreche: Wir wollen keinen Kampf mit den Eltern, wir werden beraten und uns zusammen überlegen, wie wir damit umgehen sollen.
Christa Hahn,
Leiterin der Ludwig-Richter-Grundschule in Bonn
An der Grundschule ist die Welt noch in Ordnung. Hier sind wir Eltern noch erwünscht, hier wird auf unsere Meinung gehört, hier werden wir nicht nur gebraucht, wenn es darum geht, den nächsten Grillabend vorzubereiten. Wenn ich über die Zusammenarbeit zwischen Schule und uns Eltern nachdenke, fällt mir weniger etwas Negatives ein. Wir bekommen alles mit, werden rechtzeitig informiert, Nichts wird unter den Teppich gekehrt, wir bekommen Rückmeldungen über die Entwicklung unserer Kinder und wir dürfen sogar mit entscheiden. Es ist eine konstruktive, ja schöne Zeit.
Von Müttern bereits älterer Kinder habe ich gehört, dass sich die Kooperation an der weiterführenden Schule schnell verschlechtern kann. Warum das so ist, kann ich mir nicht richtig erklären. Eltern und Schulen müssen doch gemeinsam für die Kinder das Beste wollen. Ich habe den Eindruck, dass das an den meisten Grundschulen auch funktioniert.
In der Schulkonferenz geht es ausgesprochen demokratisch und fair zu. Jedes Jahr haben wir etwa darüber diskutiert, ob und ab welcher Klasse Noten vergeben werden sollen. Und jedes Jahr haben wir uns mit großer Mehrheit gegen Noten entschieden. Natürlich gab und gibt es Eltern, die Noten für sinnvoll halten – häufig aber nur solange, wie sie für das eigene Kind gut ausfallen. Künftig werden wir da leider nicht mehr mitzureden haben. Schließlich ist die Notengebung im neuen Schulgesetz der CDU/FDP-Landesregierung festgeschrieben worden.
Bei uns an der Schule führte das gleich am Anfang zu Schwierigkeiten. Die erste Arbeit im neuen Schuljahr fiel in einer Klasse sehr schlecht aus. Das darf eigentlich nicht sein, dachten wir, hörten uns bei den Eltern um und sprachen dann die Lehrerin an. Die Lehrerin hat klasse reagiert. Sie war dankbar für den Hinweis, hat spontan Gespräche mit den Eltern angeboten und ihre mangelnde Erfahrung eingeräumt. Am Ende waren sich beide Seiten einig, dass manche Kinder derart negative Erfahrungen mit der Notengebung locker wegstecken können, andere aber möglicherweise Schulangst entwickeln. Ich bin sicher, so etwas passiert nie wieder.
Der „Vorfall“ ist für mich exemplarisch für den ständigen Gedankenaustausch. Der findet persönlich, per e-Mail, oder einfach durch einen Anruf statt. Die privaten Telefonnummern der Pädagogen sind kein Staatsgeheimnis. Es herrscht eine Atmosphäre von Verlässlichkeit, Vertrauen und Verschwiegenheit. Wenn wir Eltern Anregungen geben wollen, müssen wir uns nicht an irgendwelche Hierarchien halten. Das macht vieles leichter und schneller. Bezeichnend ist doch auch, dass wir uns mit der Schulleiterin duzen.
Manchmal, das muss ich ehrlich zugeben, sind Eltern schwieriger als das Kollegium hier an der Schule. Manche erwarten zu viel, suchen das Negative, wollen aber gleichzeitig selbst nichts tun. Zum Glück ist diese Gruppe eine deutliche Minderheit.
Daniela Blasberg,
Vorsitzende der Schulpflegschaft an der Ludwig-Richter-Grundschule in Bonn