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PM vom 27.03.2009Berlin – Erzieherinnen müssen endlich deutlich besser bezahlt werden. Das hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Freitag während einer Pressekonferenz in Berlin gefordert. „Erzieherinnen verdienen mehr als sie verdienen. In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an die Erzieherinnen enorm gestiegen: Sie sind schon lange keine ‚Basteltanten’ mehr. Sie stellen sich mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag für die Jüngsten einer sehr verantwortungsvollen Aufgabe. Alle Studien belegen, dass in den ersten Jahren im Leben eines Menschen entscheidende Weichen gestellt werden“, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne. Er wies darauf hin, dass das Einsteigegehalt einer Erzieherin 1.922 Euro beträgt. Nach 15 Berufsjahren bekomme sie 2.474 Euro (jeweils Bruttobeträge/volle Stelle).
Seit der Umstellung vom Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) auf den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) im Jahr 2005 müssten neueingestellte Erzieherinnen starke Gehaltseinbußen hinnehmen, erläuterte der GEW-Vorsitzende mit Blick auf die laufenden Verhandlungen zur Entgeltordnung für den Sozial- und Erziehungsdienst. Er verlangte: „Erzieherinnen müssen in Entgeltgruppe 9 statt wie bisher in Gruppe 6 eingeordnet werden. Das bedeutet für eine frisch eingestellte Erzieherin gut 300 Euro mehr im Monat (brutto).“ Die Verhandlungen werden am kommenden Montag fortgesetzt.
„Erzieherinnen sind hochmotiviert: 84 Prozent sind stolz darauf, als Erzieherin zu arbeiten. Aber nur acht Prozent sind mit ihren Einkommens- und Arbeitsbedingungen zufrieden. Das sind alarmierende Zahlen. Erzieherinnen haben ein Recht darauf, dass sich die gesellschaftliche Wertschätzung ihres Berufes auch in Euro und Cent niederschlägt“, betonte Norbert Hocke, für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, mit Blick auf die neuesten Ergebnisse des DGB-Index’ „Gute Arbeit“. Weniger als 1.500 Euro verdient laut der Untersuchung ein Drittel der Erzieherinnen. „Morgens Kita, abends beim Supermarkt an der Kasse – immer mehr Erzieherinnen müssen sich so ihren Lebensunterhalt verdienen“, unterstrich Hocke. „Erzieherinnen werden nicht nur schlecht bezahlt, in der Regel erhalten sie lediglich Teilzeit-Arbeitsplätze. So lässt sich keine Familie ernähren.“
„Die Bundesrepublik steuert auf einen Erzieherinnenmangel zu, wenn bei der Bezahlung nicht ordentlich nachgelegt wird. Die anspruchsvollen Ziele, Krippen und Ganztagsangebote in Kitas auszubauen, werden scheitern, wenn der Beruf nicht attraktiver wird“, sagte der GEW-Experte. Nach Berechnungen der GEW seien rund 64.000 Vollzeitstellen notwendig, um das für die Ausbauziele benötigte Personal zur Verfügung zu haben. „Erzieherinnen wachsen nicht auf Bäumen – und schon gar nicht in einem so kurzen Zeitraum, in dem sie benötigt werden. Wir müssen viel mehr junge Menschen für diesen schönen Beruf gewinnen. Dafür brauchen wir neben der besseren Bezahlung vor allem eine Aufwertung der Ausbildung. Die Ausbildung muss mittelfristig von den Fach- an die Hochschulen verlagert werden. An allen Hochschulen sind grundständige Studiengänge einzurichten. Erzieherinnen brauchen einen höheren Qualifikationsstandard. Zudem müssen ihnen berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten eröffnet werden, die tarifrechtlich relevant sein müssen.“