Dies ist der größte Streik, den es in Deutschland im Sozial- und Erziehungsdienst je gegeben hat. Heute legten in Bayern und Baden-Württemberg noch einmal einige tausend Erzieherinnen, Sozialarbeiter und -pädagogen die Arbeit nieder. Die Beschäftigten streiken dafür, dass eine betriebliche Gesundheitsförderung endlich tariflich vereinbart wird. Gleichzeitig laufen die Verhandlungen um eine Aufwertung des gesamten Berufsfeldes.
Norbert Hocke, für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortliches Vorstandsmitglied der GEW, wies darauf hin, dass es in dieser Auseinandersetzung auch um die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft gehe. „Wenn wir familien- und sozialpolitisch vorankommen wollen, muss der Beruf der Erzieherin aufgewertet werden. Dazu gehören gute Arbeitsbedingungen und eine deutlich bessere Bezahlung. Nur wenn der Erzieher-Beruf attraktiver wird, entscheiden sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung in diesem Sektor. Bis 2013 brauchen wir viel mehr qualifizierte Fachkräfte, um den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem ersten Lebensjahr eines Kindes einzulösen. Wenn in den nächsten Jahren nicht rund 80.000 zusätzliche Erzieherinnen eingestellt werden, fährt das Krippenprogramm gegen die Wand und die Umsetzung der Bildungspläne steht auf dem Spiel!“
Gut ins Schwitzen kamen die Verantworlichen im Stuttgarter Rathaus als rund 2.000 Beschäftigte des Sozial- und Erziehungsdienstes aus Stuttgart, Ludwigsburg, Rems-Murr und Böblingen bei 32 Grad Außentemperatur nach der Steikversammlung vom DGB-Haus zum Rathaus zogen und Einlass begehrten. Alle Politiker äußerten Verständnis für die Forderungen der Streikenden. Welche Taten sie ihren Worten folgen lassen, erfuhren die Erzieherinnen allerdings nicht. Bei der anschließenden Lagebesprechung im GEW-Haus wurden Pläne für das weitere Vorgehen geschmiedet.
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Text: Inge Goerlich; Bilder: privat