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27.05.2009  

Große Streikbeteiligung auch am fünften Tag

Rund 15.000 Kolleginnen und Kollegen unterstrichen heute, dass es ihnen mit ihrer Forderung nach einem besseren Gesundheitsschutz ernst ist.

GEW und ver.di haben die Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst heute fortgesetzt: Viele Erzieherinnen, Sozialpädagogen und -arbeiter legten bundesweit die Arbeit nieder. Sie forderten einen Gesundheitsschutz-Tarifvertrag. Streik-Schwerpunkte waren die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. In Köln kamen 2.000 Beschäftigte zu der zentralen Streik-Kundgebung. In Hamburg fanden Warnstreiks statt, an denen sich rund 3.000 Kolleginnen und Kollegen beteiligten. In vielen Bundesländern gehen die Streiks immer mehr in die Fläche.

Parallel zu den Streiks begann am Vormittag in Berlin die nächste Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, die jedoch am Abend nach dem Scheitern der Gespräche wieder abgebrochen wurde. „Mit ihrer Blockadepolitik und Hinhaltepolitik provozieren die Arbeitgeber weitere Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst“, erklärte GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad. „Die Arbeitgeber wollen einen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien reibungslosen Ablauf in den Kitas und deren Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die Gesundheit der Erzieherinnen ist ihnen herzlich egal. Die Vorschläge der Arbeitgeber fallen zum Teil hinter die gesetzlichen Regelungen zurück", so Schaad.

Seitenabschnitte:

Sachsen-Anhalt

Burg, Möser / Biederitz, Oebisfelde

Am Mittwoch wurden die städtischen Kindertageseinrichtungen der Stadt Burg und der Verwaltungsgemeinschaft Möser/Biederitz (Jerichower Land) bestreikt. 120 Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich am Ausstand. Bereits um 6 Uhr früh begann die Streikwache vor den Einrichtungen. Gut gelaunt und durch Kaffee und Brötchen gestärkt erklärten die Streikposten den Eltern die Situation und ermutigten Kolleginnen und Kollegen zum Eintritt in die Gewerkschaften.

Um 8 Uhr setzte sich ein Fahrradkorso in Bewegung. Erster Haltepunkt war die Stadtverwaltung. Dort trugen die Streikenden Oberbürgermeister Bernhard Sterz (SPD), noch einmal die Forderungen zum Gesundheitsschutz vor. Sterz äußerte Verständnis. Auch einige Eltern hatten sich eingefunden, um die Erzieherinnen zu unterstützen. Danach bewegte sich der Demonstrationszug durch die Stadt Burg und im Anschluss zum Streiklokal.

Das Medieninteresse war groß: Im Streiklokal filmte der MDR, Vertreter der regionalen Presse führten Gespräche mit den Kolleginnen.

Ein weiterer Streikort war die Gemeinde Oebisfelde. Dort beteiligten sich 35 Kolleginnen.



Text: Frank Wolters, Bilder: privat


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Bayern

München

Nachdem sich wieder mehr als die Hälfte der Münchner GEW-Mitglieder aus den bestreikten Einrichtungen am Mittwoch Morgen in die Streiklisten eingetragen hatte, rückten etwa 150 streikende Beschäftigte aus Kinderbetreuungseinrichtungen eng zusammen und hörten im EineWeltHaus interessiert zu, was Norbert Hocke, Leiter des Organisationsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit beim GEW-Hauptvorstand, zu sagen hatte.

Philipp Heinze vom Aktionskomitee München begrüßte und moderierte. Elke Hahn, Geschäftsführerin der GEW Bayern, bedankte sich bei den Streikenden für ihre Unterstützung an immerhin schon fünf (Warn-)Streiktagen und verwies auf die Notwendigkeit, sich noch besser zu vernetzen.

Hocke spannte einen breiten Bogen und schilderte sehr authentisch die Arbeitsbedingungen in den betroffenen Einrichtungen. Er fasste zusammen, mit welchen Veränderungen man zu tun habe und welche Baustellen noch gar nicht angepackt wurden. In anderen Ländern, z. B. in Skandinavien, gebe es schon längst bessere Arbeitsbedingungen, so Hocke: Elektrisch fahrbare Wickeltische, verstellbare Stühle und Rückenschulungsangebote seien dort Standard.

Die Gewerkschaften müssten sich gemeinsam mit den Beschäftigten Gedanken darüber machen, wie man die von der Europäischen Kommission vorgegebenen Relationen zwischen Erzieher/in und Kind in diesem Land in die Tat umsetzen könne, wie man dem steigenden Bedarf an ganztagsbegleitendem Personal in Ganztagsschulen begegnen oder wie die Berufsgenossenschaften in die Diskussion um einen besseren Gesundheitsschutz eingebunden werden können.

Zur Frage, wer verstärkt in die Tarifauseinandersetzung mit einbezogen werden müsse, nannte Hocke die Eltern, die freien Träger sowie die Hochschulen und Fachakademien. Es könne nicht abgestritten werden, dass es unter den Eltern auch Härtefälle gebe. Hier müssten die Arbeitgeber mit den Gewerkschaften über faire Bedingungen bei tatsächlich notwendigen Notdiensten verhandeln. Die freien Träger, beispielsweise Elternvereine als Kita-Träger, seien wichtig, weil sie schließlich von den Ergebnissen der Tarifrunde profitierten und verhindert werden müsse, dass die „freien“ und die „kommunalen“ auseinander dividiert würden.

Hochschulen und Fachakademien müssen laut Hocke mit eingebunden werden, weil die Aus- und Weiterbildung im Berufsleben der Erzieherinnen und Erzieher eine ganz wesentliche Rolle einnimmt. Die Fachakademien sollten überlegen, wie sie für Kinderpflegerinnen eine berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung zur Erzieherin anbieten können. Es müsse Schluss damit sein, dass sich bei Erzieherinnen eine Weiterbildung an die andere reihe, ohne dass sich dies in einer besseren Bezahlung niederschlage.

Hocke gab zu bedenken, dass – sollte sich beim Entgelt nichts ändern – die Situation eintreten könne, dass Kindererziehung in die Hände von zunehmend gering qualifiziertem Personal gegeben werde, da qualifiziertes Personal für so wenig Geld bei gleichzeitig hoch anspruchsvoller Tätigkeit nicht zu finden sei. Dies ist – was München betrifft – keine Vorhersage, sondern schon länger Tatsache.

Der lange Applaus machte deutlich: Hocke traf den Nerv der Anwesenden. Viele haben sich in den geschilderten Situationen wiedergefunden und sind entschlossen, für bessere Arbeitsbedingungen weiter zu kämpfen.



Text: Elke Hahn, Bilder: Karin Just


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Hamburg (Warnstreik)

Auch in Hamburg beteiligten sich wieder mehrere tausend Kolleginnen und Kollegen am angekündigten Warnstreik. Anschließend gaben viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Streiklokal bei der Urabstimmung über einen unbefristeten Streik ihre Stimme ab.

Die Stimmung war sehr gut. Allen ist klar: Jetzt gilt es stark zu sein, um nach Jahren endlich eine angemessene Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen!



Bilder: privat


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