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PM vom 18.02.2008Frankfurt a. M. / Berlin - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangt verbindliche Maßnahmen zur Gleichstellung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie eine Reform der Karrierewege an den Hochschulen. „Die Hochschulen müssen weiblicher werden – nicht nur im Hörsaal, sondern endlich auch am Katheder“, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne.
Das für Hochschule und Forschung verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller vertritt die Bildungsgewerkschaft als Sachverständiger heute während der Bundestagsanhörung „Frauen in der Wissenschaft und Gender in der Forschung“ in Berlin.
Von gleichen Chancen seien Wissenschaftlerinnen immer noch weit entfernt, betonte GEW-Vorsitzender Thöne. Obwohl heute jeder zweite Studierende eine Studentin sei und fast 40 Prozent der Promotionen von Frauen abgelegt würden, beträgt der Frauenanteil an den Professuren lediglich 14 Prozent. In der höchsten Besoldungsstufe C 4 bzw. W3 seien es sogar nur zehn Prozent. „Statt in der Wissenschaft aufzusteigen, müssen viele Wissenschaftlerinnen insbesondere in der kritischen Phase zwischen Promotion und Berufung auf eine Professur aus der Wissenschaft aussteigen“, stellte Thöne fest.
100 Jahre nach der Zulassung von Frauen zum Studium (1908 in Preußen) müssten den vielen Worten endlich Taten folgen - und zwar unverzüglich, forderte der GEW-Vorsitzende mit Blick auf den in wenigen Jahren abgeschlossenen Generationenwechsel in der Professorenschaft. Thöne erklärte, dass sich die GEW für eine verbindliche Quotierung ausspreche: „Bis eine gleichberechtigte Vertretung von Frauen und Männern auf allen Ebenen umgesetzt ist, müssen auf jeder Stufe der Karriereleiter mindestens so viele Positionen für Frauen reserviert bleiben, wie auf der vorangehenden Stufe schon erreicht sind. Der Anteil von Frauen auf Professorenstellen muss kurzfristig auf 25 Prozent erhöht werden.“
Er begrüßte das „Professorinnenprogramm“ des Bundes und der Länder als „Schritt in die richtige Richtung“. Die Einrichtung von 200 Professuren für Frauen bleibe jedoch wirkungslos, wenn nicht gleichzeitig die Karrierewege an den Hochschulen auf den Prüfstand kommen. „Viele Nachwuchswissenschaftlerinnen finden sich nach einer langen Serie von befristeten Arbeitsverträgen in einer beruflichen Sackgasse wieder. Selbst die immer noch als Spitzenqualifikation gewertete Habilitation bewahrt nicht vor dem Beschäftigungs-Aus. Die wissenschaftliche Laufbahn muss transparenter und berechenbarer werden“, unterstrich Thöne.