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05.09.2011

Interview mit zwei ehemaligen Baumwollarbeiterinnen: Beschimpft, bedroht, geschlagen

In der Brückenschule in Hyderabad (Indien) trifft E&W-Autor Ulrich Meinecke die 14-jährige Manila und die 15-jährige Manasa. Manila hat zwei Jahre auf Baumwollfeldern als Pflückerin gearbeitet, Manasa fünf Jahre in der Produktion von Baumwoll-Saatgut – für 50 bis 60 ­Rupien (etwa 50 Cent) am Tag.

E&W: Ihr habt als Kinderarbeiterinnen auf einer Baumwollplantage gearbeitet, warum?
Manila: Ich war elf Jahre alt als mein Vater starb. Da musste ich Geld verdienen, um meine Mutter zu unterstützen.
Manasa: In unserer Familie gab es nicht genug zu essen, deshalb arbeitete ich auf den Baumwollfeldern.

E&W: Wie alt warst du damals?
Manasa: Neun Jahre.

E&W: Wie lange musstet ihr täglich arbeiten?
Manasa: Ich musste von neun bis 18 Uhr auf der Plantage tätig sein, abends bin ich zu meiner Familie zurückgekehrt. Wenn ich nicht schnell genug mit dem Pflücken war, hat der Landlord (der Baumwoll-Farmer, Anm. d. Red.) geschimpft und gedroht, mich rauszuwerfen. Mittags gab es eine Pause, aber ich musste mir das Essen mitbringen.
Manila: Ich musste bis 18.30 Uhr arbeiten, fing aber auch morgens um neun Uhr an. Manchmal sollten wir auch länger bleiben. Dann bekamen wir Schokolade, auch mal eine Kinokarte geschenkt. Wenn ich allerdings nicht schnell genug pflückte, hat mich der Landlord geschlagen.

E&W: Hattet ihr einen freien Tag?
Manila: Selten. Ich musste oft auch am Sonntag auf den Feldern arbeiten (Manasa nickt zustimmend).

E&W: Und wenn ihr krank wurdet?
Manila: Ich bekam vom Pflücken oft Blasen an den Fingern. Die schmerzten. Ich musste trotzdem weiterarbeiten.
Manasa: Ab und an wurde ich krank, weil ich mich übergeben musste.

E&W: Warum?
Manasa: Wir mussten die Pflanzen manchmal mit „Medizin“ ­(Pestizide – Anm. d. Red.) besprühen. Danach ist mir oft übel geworden.

E&W: Wie hieß dieses Pflanzenmittel? Kannst du dich erinnern, was auf den Behältern stand?
Manasa: Ich konnte damals nicht lesen.

E&W: Als der Farmer deine Übelkeit bemerkte, wie reagierte er?
Manasa: Er war erzürnt, wenn ich krank war und nicht auf der Plantage erschien.

E&W: Hat er deinen Lohn dann gekürzt?
Manasa: Ja.

E&W: Heute besucht ihr beide eine Schule. Wisst ihr schon, was ihr später einmal beruflich machen wollt?
Manila: Ich möchte Ärztin werden.
Manasa: Und ich Fashion Designerin.

Interview: Ulrich Meinecke, ver.di, seit zwei Jahren in Neu Delhi

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