Obwohl etwa zwanzig Millionen Kurden in der Türkei leben, existiert an öffentlichen Schulen der Türkei bisher kein Angebot zum muttersprachlichen Unterricht für Kinder der kurdische Minderheit. Wissenschaftler aus der Türkei, den USA und Österreich betonten die Bedeutung muttersprachlichen Unterrichts für den Spracherwerb und für die kindliche Entwicklung. Ein Kind, das seine Muttersprache in Wort und Schrift beherrscht, besitzt ein besseres Selbstvertrauen und tut sich auch leichter beim Erwerb anderer Sprachen. Mit großem Interesse folgten die etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Erfahrungsberichten von Gewerkschaftern aus Spanien, Deutschland und den Niederlanden. An der zweitägigen Veranstaltung, zu der die türkische Bildungsgewerkschaft Egitim Sen eingeladen hatte, nahmen auch vier Vertreter der GEW-Landesverbände Hessen und NRW sowie des GEW-Vorstands teil.
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Etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen am Symposium 'Muttersprachlicher Unterricht' der Egitim Sen in Ankara teil
Im spanischen Baskenland und in Katalonien, wo während der Franco-Diktatur jahrzehntelang nur Spanisch erlaubt und alle anderen Sprachen unterdrückt waren, ist Unterricht in baskisch und katalanisch an öffentlichen Schule heute selbstverständlich. Adnan Yildirim und Süleyman Ates vom GEW Ausschuss für multikulturelle Angelegenheiten (BAMA) berichteten über die Rechte von Minderheiten in Deutschland und muttersprachlichen Unterricht in den Bundesländern. Zahlreiche Bundesländer bieten muttersprachlichen Unterricht für Migranten an, darunter einige auch für Kurden. In Bremen, Hamburg, Niedersachsen und NRW werden etwa. 4.000 Schülerinnen und Schüler in öffentlichen Schulen in kurdischer Sprache unterricht, was viel Zuspruch und zahlreiche Nachfragen bei den Teilnehmern hervorrief. Wenig Verständnis hatten die Symposiumsteilnehmer allerdings dafür , dass die niederländische Regierung die Förderung des muttersprachlichen Unterrichts ganz eingestellt hat.
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Süleyman Ates, Adnan Yildirim und Maurella Carbone (im Bild mit der Egitim Sen Vorsitzenden Zübeyde Kilic) nahmen für die GEW am Symposium teil
Das Symposium fand in einem angespannten politischen Klima statt. Zwei Tage zuvor waren zahlreiche Gewerkschafter, darunter viele Mitglieder der Egitim Sen, unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung inhaftiert worden. Aus Protest gegen diese Willkürmaßnahme hatte der türkische Gewerkschaftsbund KESK daher am Samstag zu einer Kundgebung im Zentrum von Ankara aufgerufen. Verschiedene Redner forderten die Freilassung der Inhaftierten. In seiner Solidaritätsadresse informierte Süleyman Ates darüber, das der GEW Vorsitzende Ulrich Thöne sofort nach Bekanntwerden der Verhaftungen beim türkischen Staatpräsidenten Abdullah Gül gegen das Vorgehen der Sicherheitskräfte protestiert hat und sicherte der Egitim Sen die weitere Unterstützung der GEW zu.
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Die Protestkundgebung gegen die Inhaftierung von Gewerkschaftern war von starken Polizeikräften begleitet