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25.04.2011

NUT-Kongress gegen Kürzung von Lehrerpensionen

Ganz im Zeichen des Protestes gegen angekündigte Kürzungen der konservativ-liberalen Regierung im öffentlichen Dienst stand die diesjährige Konferenz der größten britischen Lehrergewerkschaft NUT, die vom 22. – 25. April 2011 in Harrogate, Yorkshire stattfand.

Jedes Jahr über Ostern lädt die britische „National Union of Teachers“ (NUT) etwa tausend Delegierte zu ihrer nationalen Konferenz ein. Unter dem Motto ‚Bildung verteidigen, Kürzungen verhindern, Pensionen sichern’ fand die Konferenz in diesem Jahr in Harrogate statt, einer 70.000 Einwohner Stadt in der englischen Graftschaft North Yorkshire. Wahlen zum Gewerkschaftsvorstand waren in Harrogate nicht vorgesehen. Der wird nämlich direkt von den Mitgliedern gewählt, die per Briefwahl alle vier Jahre zur Urne gerufen werden. So will es ein Gesetz aus der Zeit Margret Thatchers, die damit die einst radikalen britischen Gewerkschaften zähmen wollte. Das Gesetz ist bis heute gültig, doch eine handzahme Gewerkschaft ist die NUT trotzdem nicht geworden. Im Gegenteil: Im Mittelpunkt der Beratungen und Konferenzbeschlüsse stand der Widerstand gegen die angekündigten Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst und bei der Bildung. Auf besonderen Unmut der Lehrerinnen und Lehrer stieß die angekündigte Verschlechterung ihrer Alterbezüge. „Wir sollen länger arbeiten und mehr bezahlen, um am Ende im Alter weniger Geld zu bekommen“, erregte sich eine jüngere Delegierte. „Dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen.“ Die geplanten Kürzungen der britischen Regierung im öffentlichen Dienst geben einen Vorgeschmack darauf, was auch in Deutschland drohen kann, wenn die Schuldenbremse zur Anwendung kommen sollte. Gemeinsam mit anderen britischen Gewerkschaften will die NUT in den kommenden Monaten gegen die Austeritätspolitik der Regierung mobilisieren. Bereits am 26. März waren eine halbe Millionen Menschen in London dem Aufruf der Gewerkschaften gegen die unsoziale Regierungspolitik gefolgt. „Get up, stand up!“ – Unter den Klängen von Bob Marley beschwor NUT-Präsidentin Nina Franklin vor den Delegierten in Harrogate die Einheit der britischen Gewerkschaften in der Krise. „Was hindert uns eigentlich“, so Franklin mit Blick auf die konkurrierende Gewerkschaft NASUWT, die gleichzeitig im schottischen Glasgow tagte, „eine neue große britische Lehrergewerkschaft zu gründen und mit vereinten Kräften für die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer in unserem Land zu kämpfen?“ Die Konferenzteilnehmer reagierten mit Applaus.

Links: NUT-Präsidentin Nina Franklin
Mitte: Über tausend Delegierte nahmen an der NUT-Konferenz teil
Rechts: Protest gegen Kürzungen bei der Bildung

Doch nicht nur die Angriffe der Regierung auf ihre sozialen Errungenschaften machten den Delegierten Sorgen. Breiten Raum nahmen auch Klagen über steigende Arbeitsbelastungen und Stress im Schulalltag ein. Schuld daran sind nach Ansicht vieler Delegierter oft unsinnige bürokratische Auflagen, unangekündigte Unterrichtsbesuche der Schulaufsicht und häufige Tests, die den Lehrkräften Zeit und Energie für guten Unterricht und Erziehung der Kinder rauben. Mit Interesse verfolgte etwa ein Dutzend internationaler Gäste aus Australien, den USA, Eritrea, Sambia, Irland, Israel, Palästina und Deutschland die Debatten der NUT-Konferenz. „Wir stehen vor ganz ähnlichen Problemen“, so Lili Eskelsen, Vizepräsidentin der US-Bildungsgewerkschaft NEA. „Auch in Amerika versuchen Politiker, die Kosten der Krise auf Lehrer und andere Beschäftigte im öffentlichen Dienst abzuwälzen.“ Für die NUT hat internationale Zusammenarbeit traditionell einen hohen Stellenwert. Solidarität mit den Palästinensern, mit Cuba und Venezuela, Unterstützung verfolgter Gewerkschafter in Kolumbien: Die NUT engagiert sich in zahlreichen Ländern und Kampagnen. Zur Finanzierung internationaler Solidaritätsprojekte stellt die Gewerkschaft jedes Jahr ein Prozent ihrer Einkünfte aus Mitgliedsbeiträgen zur Verfügung. Wie die GEW in Deutschland ist die NUT im Vereinigten Königreich in der Globalen Bildungskampagne aktiv, die das Recht auf Grundbildung für alle weltweit bis 2015 fordert. Besondere Aufmerksamkeit der Delegierten fand die Teilnahme des Generalsekretärs der palästinensischen Lehrergewerkschaft GUPT, Mohamad Sowan. Sowan prangerte die fortgesetzte Siedlungspolitik Israels in den Palästinensergebieten an. In einer Konferenzresolution wurde die Kriminalisierung palästinensischer Kinder kritisiert, die wegen steinewerfen auf jüdische Siedler verhaftet, misshandelt und zu Gefängnisstrafen in Israel verurteilt werden. Junge Palästinenser gelten vor israelischen Gerichten bereits mit 16 Jahren als erwachsen, während israelische Jugendliche erst mit 18 Jahren volljährig werden. NUT-Generalsekretärin Christine Blower versicherte Sowan die Solidarität der NUT. Von Israel forderte sie ein Ende der Repressionen in den Autonomiegebieten und eine Anerkennung der Rechte der Palästinenser.

Links: Die SchülerInnen Navdeep Bual und Yasir Yeahia setzen sich für die Globale Bildungskampagne ein
Mitte: Die NUT will Grundbildung für alle weltweit
Rechts: NUT-Generalsekretärin Christine Blower ruf zur Solidarität mit den Palästinensern auf

Text und Fotos: Manfred Brinkmann


Die Redebeiträge auf der Konferenz wurden in Gebärdensprache übersetzt



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