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30.03.2009

Nicaragua: Häuser für Hurrikanopfer

Zehn nicaraguanische Familien, die durch den Hurrikan Felix obdachlos geworden waren, konnten nun endlich ein neues Haus beziehen. José Zepeda von der nicaraguanischen Lehrergewerkschaft ANDEN bedankte sich bei der GEW und beim DGB für die Unterstützung.

Als Monstersturm der Stärke 5 prallte „Felix“ Ende 2007 auf die Nordostküste Nicaraguas und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Hunderte Menschen fanden bei dem Unwetter den Tod. Über 16.000 Häuser wurden in Nicaragua zerstört oder beschädigt, darunter zahlreiche Schulgebäude. Auch Lehrerinnen und Lehrer gehörten zu den Opfern. Mit Hilfe von 30.000 € Spenden der GEW und des Vereins 'Gewerkschaften Helfen e.V.' hat unsere nicaraguanische Partnergewerkschaft ANDEN gut ein Jahr nach dem Hurrikan insgesamt zehn Häuser für obdachlos gewordene Mitglieder und deren Familien neu errichten lassen und nun übergeben. Während seines Besuchs beim jährlichen GEW-Nicaragua-Seminar Ende März 2009 in Frankfurt berichtete ANDEN-Generalsekretär José Zepeda ausführlich über die Hilfsaktion und dankte im Namen seiner Gewerkschaft und der glücklichen neuen Hausbesitzer für die Spenden des Heinrich-Rodenstein-Fonds der GEW und des DGB-Vereins 'Gewerkschaften helfen'. Nachfolgend sein Bericht:

Auf Wunsch der örtlichen Lehrergewerkschaft ANDEN in Puerto Cabezas, im nördlichen Teil der nicaraguanischen Atlantikregion, haben wir nach der Katastrophe Hilfe für Lehrerinnen und Lehrer gesucht, die in besonderer Form durch den Verlust ihrer Häuser vom Wirbelsturm Felix betroffen waren. Das Wiederaufbauprojekt, das wir über die GEW dem DGB bzw. dessen Verein „Gewerkschaften Helfen“ präsentiert hatten, sah die Konstruktion von zehn Häusern und den Kauf von didaktischen Materialien und Büchern für Schulen vor, die der Wirbelsturm beschädigt hatte. Dieser Vorschlag wurde angenommen und die finanziellen Mittel für die Durchführung des Projektes überwiesen.

Der Bau der Häuser

Mit einiger Verspätung begann der Bau der Häuser. Bei der Konstruktion haben wir uns an den Modellen und Formen des traditionellen Hausbaus an der Atlantikküste orientiert, aber langlebige und festere Materialien verwendet. Die Überwachung der Konstruktion lag in den Händen der lokalen und nationalen Gewerkschaftsführung und der Begünstigten selbst. Mehrheitlich wurden sie an Lehrerinnen vergeben (acht Lehrerinnen und zwei Lehrer). Die ursprünglich veranschlagten Kosten von 4.000 US-Dollar pro Haus konnten wir auf 3.500 US-Dollar reduzieren. Das heißt, die zehn Häuser kosteten insgesamt 35.000 US-Dollar. Von den eingeplanten 40.000 US-Dollar konnten wir also 5.000 einsparen. Dies erlaubte uns, das Gewerkschaftshaus von ANDEN in Bilwie zu reparieren, das ebenfalls vor allem am Dach Zerstörungen durch den Wirbelsturm davongetragen hatte.

Wer hat ein Haus erhalten

Bei der Auswahl der Begünstigten waren folgende Kriterien ausschlaggebend:

• dass sie Mitglieder der Gewerkschaft sind,
• dass sie keine andere Wohnmöglichkeiten hatten,
• dass sie unmittelbar von dem Wirbelsturm Felix betroffen waren,
• dass sie eine Familie unterhalten müssen,
• dass sie über Grund und Boden verfügten, auf dem ein Haus gebaut werden konnte.

Um die Arbeitskosten so gering wie möglich zu halten, haben wir Konstrukteure aus der Region gesucht. Mit einer entsprechenden Firma wurde der Bau von zehn Häusern vertraglich vereinbart.. Wir haben also nicht das Geld, sondern die fertig gebauten Häuser an die Lehrerinnen und Lehrer gegeben. Damit war ausgeschlossen, dass die materiellen und ökonomischen Ressourcen für andere Bedürfnisse der vom Wirbelsturm Betroffenen ausgegeben wurden. Die Lehrerinnen und Lehrer sind glücklich und zufrieden über die empfangene Hilfe und danken den Verantwortlichen in den Gewerkschaften ebenso wie den Mitgliedern des DGB und der GEW.

Didaktische Materialien und Bücher für Schulen im Ort Bilwie

Unser zweiter Vorschlag zur weiteren Verwendung der Gelder sah den Kauf didaktischer Materialien für vom Wirbelsturm beschädigte Schulen vor. Wir haben Materialien, Bücher und Möbel im Wert von 4.000 US-Dollar gekauft. Diese wurden dem Erziehungsminister im Rahmen einer öffentlichen Feierstunde übergeben. Daran nahm auch der Leiter des Wirtschafts- und Pressereferats der Deutschen Botschaft, Christofer Burger, teil. In drei Schulen konnte eine kleine Bibliothek eingerichtet werden. Auswahlkriterium war die Lage der Schule, die Zahl der Schülerinnen und Schüler und die durch den Wirbelsturm verursachten Schäden. Die Entscheidung wurde gemeinsam von Vertretern des Ministeriums und der ANDEN-Leitung in Bilwie getroffen.Der Vertreter der Deutschen Botschaft betonte, dass er zum ersten Mal an einer Aktivität gewerkschaftlicher Solidarität teilgenommen habe. Der Bildungsminister dankte dem DGB und der GEW für ihre Hilfe beim Wiederaufbau des Bildungswesens in Nicaragua.

Reparatur des Daches des Gewerkschaftshauses in Bilwie

Unser Gewerkschaftshaus in Bilwie hatte durch den Sturm erhebliche Schäden, vor allem am Dach, erlitten. Bei der Reparatur wurden nun dauerhafte, stärkere Materialien verwendet. Dieses Gewerkschaftshaus wird von Lehrerinnen und Lehrern auch als Unterkunft genutzt, wenn sie aus der Region nach Belwie kommen und dort Dinge zu erledigen haben.

Im Namen unseres Vorstandes und unserer Mitglieder bedanken wir uns für das Vertrauen und die Solidarität, die ihr uns aus Deutschland entgegengebracht habt. Die Erfahrung, Probleme im Zusammenhang mit dem Wirbelsturm Felix zu lösen, ist ein Lehrstück für unsere Organisation. Dieses gemeinsame Projekt hat uns ermöglicht, auch mit dem DGB in eine gewerkschaftliche Beziehung zu treten und zugleich die Partnerschaft zwischen der GEW und ANDEN zu stärken. Mit diesem Dank versprechen wir zugleich, die gewerkschaftliche Einheit weiter zu fördern.

Mit kollegialen Grüßen

José Antonio Zepeda
Generalsekretär CGTEN-ANDEN
Managua, den 20. März 2009


(Fotos: Anden)


Die Folgen des Wirbelsturms Felix waren verheerend für die Menschen an der nicaraguanischen Atlantikküste


Links

// Gewerkschaften helfen e.V.


Heinrich-Rodenstein-Fonds

 

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