Startseite


 
 
 
 
 
 
 
 
12.08.2009

Polnischlernen im Vierländerdialog

Pfad zur Seite:/ GEW - Die Bildungsgewerkschaft   - / Die GEW   - / GEW-International   - / Aktuell   -  Polnischlernen im Vierländerdialog
Kann man Polnisch, diese schwer aussprechbare Sprache überhaupt lernen? Man kann. Und kann man nach 14 Tagen Sprachkurs schon etwas Polnisch reden? Und ob. Und kann das sogar blutigen Anfängern auch noch Spaß machen? Unbedingt.

Diese Erkenntnis artikulieren die GEW-TeilnehmerInnen in der Auswertungsrunde bei den Masuren-Akademien in der ein oder anderen Weise nun schon seit Jahren. Nicht anders auch in diesem Sommer. Aber der Sprachkurs ist nur ein Teil der Sommerakademie. Selbstorganisierte Workshops am Nachmittag und ein vielseitiges Abendprogramm mit Referaten, Diskussionen, Theater-, Film- und Musikaktivitäten gehören ebenso dazu wie das Lernen in kleinen Tandems, gemeinsame Ausflüge mit Bus und Kajak, Lagerfeuergespräche, Tanz und Lieder und ein feierlicher Abschiedsabend, bei dem die Gruppen in heiterer Form evaluieren, was sie in den zwei Wochen gelernt haben.

Seit 15 Jahren nun schon organisiert die GEW in Kooperation mit der Bildungssektion von Solidarnosc das Sprachkurs- und Fortbildungsprojekt „Sommerakademie Masuren“. Auch in diesem Jahr (19. Juli bis 2. August) wieder mit großem Erfolg: Rund 40 KollegInnen aus beiden Ländern (und Gäste aus Weißrussland und der Ukraine) trafen sich in der Tagungsstätte „Klobuk“ am Gim-See in der Nähe von Olszytn (Allenstein), um 14 Tage lang gemeinsam nicht nur die jeweils andere Sprache zu lernen, sondern auch etwas über die Geschichte, die Kultur, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Nachbarländer.

Das Bildungsprogramm hat jedes Jahr andere Akzente, die sich vor allem an den Interessen und Beiträgen der mitmachenden KollegInnen orientieren. In diesem Jahr waren das Fragen der Priorität von Gewerkschaftsarbeit, der Umgang mit der polnischen Geschichte in deutschen Geschichtsbüchern, die Thematik „Herkunft und Identität“ im Kontext von Umsiedlung und Vertreibung, Berichte über Schulpartnerschaften und bildungspolitische Informationen aus allen vier Ländern.

Sprache und Literatur hat in der Sommerakademie immer einen besonderen Stellenwert. Die Lesungen des polnischen Schriftstellers Aleksander Jurewicz, der die Verpflanzung („Repatriierung“) seiner Familie aus dem heutigen Weißrussland nach Polen in den fünfziger Jahren zum Thema seiner Romane gemacht hat und des ukrainischen Autoren (und Germanisten) Jurko Prohasko, der in seinen Essays nach dem heutigen Selbstverständnis der Stadt Lemberg sucht, waren besondere Höhepunkte in einem thematischen Rahmen, der bewusst über die deutsch-polnische Orientierung hinaus auch den Blick über die Grenzen Weißrusslands und der Ukraine suchte.

Ein deutsch-polnischer Lyrik-Wettbewerb sorgte darüber hinaus dafür, den Blick für die unterschiedliche Sprache und Poesie zu schärfen. Für Sprachanfänger eine Herausforderung, aber mithilfe der Tandempartner kamen beachtliche Ergebnisse und Talente zutage. Überhaupt hat die Zusammenarbeit in Tandems und kleineren Gruppen gefördert, worauf es bei der Sommerakademie wirklich ankommt: ein besseres Verstehen des Anderen, das gemeinsame Erarbeiten von Themen und Aufarbeiten von Problemen sowie das Knüpfen von Kontakten über die Grenzen, auch über die EU-Grenzen hinweg.

Eine Sommerakademie mit hoher Arbeits- und Lernintensivität, aber auch mit viel musischer Lockerung und Heiterkeit („Ich habe hier soviel gelacht, wie das ganze vergangene Jahr nicht“). Kein Wunder, dass das Urteil aller Beteiligten, auch das der „blutigen Anfänger“ (und deren gab es viele in der GEW-Gruppe) rundherum positiv ausfiel und gleich die ersten Anmeldungen für eine Neuauflage im nächsten Jahr eingingen.

Dass die Sommerakademie 2009 realisiert werden konnte, war nicht nur den beiden Gewerkschaften und dem Bildungs- und Förderungswerk der GEW zu verdanken, sondern auch der Unterstützung durch die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit. Auch unter dem Gesichtspunkt multiplikatorischer Wirkung war das gut angelegtes Geld, denn wieder wurden nicht nur private, sondern auch berufliche und gewerkschaftliche Kontakte geschmiedet und neue grenzüberschreitende Aktivitäten für Schule und Jugendarbeit initiiert.

Text und Fotos: Christoph Heise


Sprache und Literatur haben einen besonderen Stellenwert: TeilnehmerInnen einer Arbeitsgruppe



/ zum Seitenanfang