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Soziale HochschuleDreh- und Angelpunkt für mehr Chancengleichheit beim Hochschulzugang und im Studium ist für die Autoren des Leitbilds - 18 renommierte Bildungsforscher, Hochschulpraktiker und gewerkschaftliche Bildungsexperten - der Ausbau der öffentlichen Studienfinanzierung und -förderung. Konkret bedeutet dies etwa Abschaffung der Studiengebühren und BAföG-Weiterentwicklung, aber auch eine größere Durchlässigkeit zwischen beruflicher und Hochschul-Bildung. Generell müsse sich die Qualität von Studium und Lehre verbessern mit dem Ziel, die Studierenden in ihrem Lernen bestmöglich zu unterstützen sowie ihre Eigeninitiative und Eigenverantwortung zu fördern.
Weitere Schwerpunkte des neuen hochschulpolitischen Leitbilds der HBS: den Arbeitsplatz Hochschule attraktiver zu gestalten, Hochschulleitungen zu professionalisieren sowie durch mehr Mitbestimmung und Partizipation aller Hochschulangehörigen demokratische Strukturen zu stärken.
"Hans-Böckler-Stiftung, DGB und GEW ziehen an einem Strang"
Andreas Keller, GEW-Vorstandsmitglied und verantwortlich für den Bereich Hochschulen und Forschung, begrüßte ausdrücklich, dass die Hans-Böckler-Stiftung mit ihrem Leitbild-Vorschlag die Hochschulpolitik in den Mittelpunkt der Debatten des DGB rückt. Angesichts eines globalen Trends, wonach das Hochschulstudium mehr und mehr zur Regelausbildung einer wachsenden Mehrheit junger Menschen werde, sei es nur konsequent, dass sich alle Gewerkschaften hochschulpolitisch engagierten, so Keller.
Der Leitbild-Vorschlag der HBS sei in zweierlei Hinsicht Rückenwind für die Hochschularbeit der GEW. Zum einen habe die Hans-Böckler-Stiftung zahlreiche Vorschläge, die die GEW in ihrem wissenschaftspolitischen Programm von 2009 gemacht hat, aufgegriffen und in ihren Vorschlag für ein Leitbild "Demokratische und Soziale Hochschule" aufgenommen. "Die Hans-Böckler-Stiftung und der DGB ziehen in vielen wichtigen Fragen mit der GEW an einem Strang", unterstrich Keller.
Zum anderen, so der GEW-Hochschulexperte, sei der Vorschlag für ein Leitbild "Demokratische und Soziale Hochschule" Rückenwind für die Herausforderung der GEW, die Interessen der Kolleginnen und Kollegen an den Hochschulen wirkungsvoller zu vertreten. Die rund 350 Hochschulen bildeten nicht nur akademische Fachkräfte für andere Branchen aus, sondern stellten selbst eine der größten "Branchen" in Deutschland dar: Über 500.000 Beschäftigte sind in Forschung, Lehre, Technik und Verwaltung beruflich tätig, darunter allein knapp 40.000 HochschullehrerInnen sowie rund 140.000 wissenschaftliche MitarbeiterInnen und Lehrkräfte.
Die Bildungspolitik habe in der Vergangenheit aber allzu oft die "Rechnung ohne den Wirt" gemacht, erläuterte Keller. "Die Hochschulen mussten bei stagnierender Finanzierung immer mehr Studierende aufnehmen und zusätzliche Aufgaben - in Studienreform, Qualitätssicherung und Akkreditierung, Weiterbildung und Wissenstransfer - übernehmen. Die Beschäftigten wurden nicht gefragt, ob und wie sie diese zusätzlichen Lasten schultern können, und klagen heute, wie die Studierenden, über ein Übermaß an 'Workload'. Zu Recht stellt das Leitbild 'Demokratische und Soziale Hochschule' daher die Frage, wie der Arbeitsplatz Hochschule attraktiver ausgestaltet werden kann - im Interesse einer hohen Qualität von Forschung und Lehre".