31.03.2006

Rütli-Schule

GEW fordert "Eine Schule für alle".

Nach dem Brandbrief, in dem das Kollegium der Berliner Rütli-Oberschule wegen eskalierender Gewalt den Senat um Auflösung der Schule gebeten hatte, schlagen die Wellen hoch. Die GEW sieht nur eine Möglichkeit, Zustände wie an der Rütli-Schule künftig zu verhindern: ein integriertes Schulsystem, in dem Demokratie und soziales Verhalten gelernt und gelebt werden.

GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne betonte, dass an der einen Schule für alle Kinder kein Weg vorbei führe. „Das Einsortieren in verschiedene Schularten führt zur Ghettoisierung und verstärkt die soziale Selektion", so Thöne. Jugendliche wie an der Rütli-Oberschule hätten keine Perspektive. Über zunehmende Gewalt dürfe man sich da nicht wundern.

„Hauptschule abschaffen!"

Auch die Vorsitzende der GEW Berlin, Rose-Marie Seggelke, forderte Konsequenzen. Beide Berliner Regierungsparteien hätten erklärt, dass sie auf eine Überwindung des gegliederten Schulsystems hinarbeiten wollten, so Seggelke. „Das dürfen nicht nur Absichtserklärungen bleiben. Die GEW erwartet, dass SPD und PDS den Brief des Rütli-Kollegiums ernst nehmen und endlich zugeben, dass in einer Stadt wie Berlin die Schulform Hauptschule eine bildungspolitische Sackgasse ist.“

In dem Brief, mit dem sich die Lehrerinnen und Lehrer der Hauptschule im Berliner Problembezirk Neukölln an die Senatsverwaltung gewandt hatten, berichten sie von einer aggressiven und intoleranten Grundstimmung. Respekt gelte nicht den Lehrern, sondern Schülern, die sich als Intensivtäter profilieren. Lehrer würden mit Gegenständen beworfen oder gar nicht wahrgenommen, einige Kollegen gingen nur noch mit Handy in den Unterricht, um notfalls schnell Hilfe anfordern zu können. Normaler Unterricht sei nahezu unmöglich.

Unter Polizeischutz

Nach Bekanntwerden des Briefes gab es erste Reaktionen von Seiten der Politik: Bildungssenator Klaus Böger (SPD) stellte am heutigen Freitag den lang gesuchten neuen Rektor vor, der die Schule vorerst kommissarisch leiten wird. Die bisherige Schulleiterin ist seit Anfang des Schuljahres krank und wird in den Ruhestand gehen. Seit Jahren hatte sich niemand gefunden, der die Stellvertretung übernehmen wollte. Es gab eine kommissarische Leitung aus dem Kreis der Lehrer.

Ebenfalls seit heute steht die Rütli-Schule unter Polizeischutz. Sechs Beamte boten Schülern Gespräche über die Eskalation der Gewalt an ihrer Schule an. Auf die angekündigten Taschenkontrollen wurde allerdings verzichtet.

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