Die Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung im Kindesalter (BAG BEK), der rund 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Studiengängen für frühkindlich Pädagogik der Hochschulen in Deutschland angehören, hat auf ihrer Frühjahrstagung vom 26. bis 28 April 2009 in Esslingen über Perspektiven der Professionalisierung und Akademisierung der Elementarpädagogik diskutiert und Position bezogen.
Die beschlossenen Forderungen dokumentieren wir im Wortlaut:
Die BAG-BEK fordert eine neue Berufsbezeichnung für die AbsolventInnen der neuen Studiengänge im Bereich Bildung, Erziehung und Betreuung im Kindesalter. Die AbsolventInnen sollen „KindheitspädagogIn“ heißen.
Die neuen akademischen Abschlüsse führen zu einer anderen beruflichen Qualifizierung als die Ausbildung zur staatlich anerkannten ErzieherIn. Dies macht eine neue Berufsbezeichnung, sowie eine - der Logik des TVöD folgend - neue Eingruppierung erforderlich.
Im Hinblick auf die laufenden Tarifverhandlungen fordert die BAG-BEK deshalb eine Eingruppierung der pädagogischen Fachkräfte mit Hochschulabschluss mindestens in Entgeltgruppe 9, wie dies der Eingruppierung in den gehobenen Dienst entspricht.
Gleichfalls fordert die BAG-BEK die Eingruppierung der ErzieherInnen in die EG 8. Eine Eingruppierung in die EG 6, wie diese zur Zeit seitens der Arbeitsgeber gefordert wird, entspricht faktisch im Vergleich zur BAT-Eingruppierung einer Lohnabsenkung. Dies würde zu einem eklatanten Widerspruch zur politisch-geforderten und gewollten besseren Qualität in Kindertageseinrichtungen führen.
Quelle: BAG BEK
Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) hat im Rahmen der laufenden Tarifverhandlungen seine Hilfe in der aktuellen fachlichen Diskussion und Beratung für die Ausarbeitung eines Gesundheitstarifvertrags für Erzieherinnen und Erzieher angeboten.
Ziel der Arbeitsmediziner sei es, so der Verband, dass gute betriebliche Bedingungen und Voraussetzungen für die Gesundheit am Arbeitsplatz bestehen und ausgebaut werden, um dadurch die Beschäftigungsfähigkeit der Erzieherinnen und Erzieher langfristig zu erhalten.
"Träger von Kindertagesstätten und Betreuungseinrichtungen können durch die ohnehin vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung schnell erkennen, wo Probleme bestehen und daraus schon relativ einfache Maßnahmen ableiten, die im Berufsalltag entscheidend viel bewirken können“, so VDBW-Präsident Dr. Wolfgang Panter. Für diese individuellen Gefährdungsbeurteilungen sei es wichtig, Arbeitsmediziner einzubeziehen. Dabei könnten sowohl ergonomische Fragen geklärt als auch gesundheitlich belastende Verhältnisse aufgedeckt werden. Neben verbesserten gesundheitsfördernden Verhältnissen am Arbeitsplatz trügen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen zur individuellen Gesundheitsförderung der Beschäftigten bei.
Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) beim freien zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) solidarisiert sich mit den Streikenden und fordert eine angemessene Bildungsfinanzierung:
ABS solidarisiert sich mit den streikenden Erzieher_innen
Durch den massiven Sozialabbau der letzten Jahre und die stetige Unterfinanzierung des Bildungssektors, sind viele Kitas personell unterbesetzt, hinzu kommen steigende Integrationsleistungen, neue Bildungskonzepte und Förderziele, die von den Erzieher_innen abverlangt werden. Kitas sind heute nicht nur Betreuungs- sondern vor allem auch Bildungseinrichtung. Um diesem Konzept gerecht zu werden, braucht es gut ausgebildetes Personal, welches angemessen bezahlt wird und eine adäquate Ausstattung der Einrichtungen.
Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren solidarisiert sich mit den streikenden Erzieher_innen. Die Forderung nach einem besseren Gesundheitsschutz und einer höheren Eingruppierung sind legitime und notwendige Forderungen.
Erzieher_innen haben den Sozialabbau lange genug mit geschultert. Die Regierungsparteien dürfen sich durch die jahrelang forcierte Unterfinanzierung der Bildung und gleichzeitige Einführung von Studiengebühren nicht aus der Verantwortung ziehen! Und die Bundesregierung muss aufhören, nur darüber zu reden, wie wichtig Bildung ist und endlich anfangen nach dieser Maxime zu handeln. Dazu gehört eine angemessene personelle sowie materielle Ausstattung sämtlicher Bildungseinrichtungen, genau so wie eine adäquate Bezahlung der Mitarbeiter_innen.
Quelle: abs-bund.de
Auch die Betriebskrankenkassen in Hessen (BKK) halten die Forderungen der Gewerkschaften nach einem besseren Gesundheitsschutz für sinnvoll:
BKK: „Betriebliche Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung sind Common sense.“
Frankfurt, 15. Mai 2009 (BKK) – Die Betriebskrankenkassen (BKK) begrüßen den Vorstoß der Gewerkschaf-ten ver.di und GEW, die „betriebliche Gesundheitsför-derung im Sozial- un Erziehungsdienst“ tarifvertraglich regeln zu wollen. Langjährige Erfahrungen mit branchen- und betriebs spezifischen Konzepten der Gesundheitsförderung „provozieren“ den BKK Landesverband Hessen, sich in die aktuelle Auseinandersetzung einzumischen und folgendes in Erinnerung zu rufen:
Gesundheitsförderung ist ein von Arbeitgebern und Belegschaften gleichermaßen positiv besetztes Thema mit unbestrittenem sozialpolitischem und betriebswirt schaftlichem Stellenwert. Insofern …
Warum ist dieses Thema tarifpolitisch strittig?
Auf konkrete Arbeitsbedingungen bezogene, analysefundierte Maßnahmen erweisen als hocheffizient um …
… physische Beschwerden (bspw. orthopädische Ma-laisen infolge mangelhafter Ergonomie oder ungeschul-ter Hebe- und Tragetechniken) zu verhindern oder zu reduzieren.
… physisches Wohlbefinden (bspw. Überforderungen oder Stress bis hin zum „Burn-out“) zu thematisieren und hierauf betriebliche Maßnahmen, Schulungen o-der/und Regenrationstechniken zu entwickeln und zu etablieren.
… Verbesserungsvorschlägen und Investitionsbedarf Nachdruck zu verleihen (bspw. Einbau von lärmredu-zierenden Decken, ergonomische Möblierungen)
… die Erzieher(inn)en zu motivieren und zu emanzipieren, das Wissen über gesundes bzw. ungesundes Alltagsverhalten an die Kinder weiterzugeben („Train the Trainer!“)
Insbesondere zur (früh)kindlichen Gesundheitserziehung haben Ministerien, Kommunen, Sozialpolitiker, Krankenkassen, Elternverbände und Selbsthilfeorgani sationen zahlreiche Setting-Konzepte erarbeitet und Anschubfinanzierungen geleistet. Hierin enthalten ne-ben konkreten Vorschlägen zum Wohle der Kinder und Jugendlichen auch Ideen zur Schaffung und Zertifizie-rung von „Gesunder Arbeitsplatz Kita“ (vgl. www.fitvonkleinauf.de oder auch das Audit „Gesunde KiTa“).
Es ist überfällig, die betriebliche Gesundheitsförderung tarifrechtvertraglich zu regeln. Dies ist im Übri-gen bereits in den Bereichen der IGM und der IG Che-mie erfolgt bzw. auf bestem Wege.
Quelle: BKK
Am ersten Tag des Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst meldeten sich zwei fachpolitisch hochkarätige Stimmen zu Wort: Sowohl Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) als auch Prof. Dr. Wassilios Fthenakis, langjähriger Direktor des Bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik und Professor an der Universität Bozen äusserten Verständnis für die Streiks.
Von der Leyen bestärkt Streikende
Von der Leyen sprach sich für bessere Karrierechancen und eine deutlich bessere Bezahlung für Erzieherinnen und Erzieher aus: "Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung muss auch eine bessere Qualität einhergehen. Das kostet selbstverständlich Geld", sagte sie den "Dortmunder Ruhr Nachrichten". Aus gutem Grund gebe der Bund nicht nur Investitionskosten, sondern auch Betriebskostenzuschüsse.
Zur Aufwertung des Berufs meinte sie, dass dazu auch Karrierechancen gehörten. "Es ist gut, dass das Problem jetzt auf dem Tisch ist. Ich hoffe, dass sich die Tarifparteien bald auf eine zukunftsfähige Lösung einigen", sagte von der Leyen. Verdienstmöglichkeiten der Erzieherinnen heute geringer seien als früher, habe "auch damit zu tun, dass beide Tarifpartner diese Struktur erst gemeinsam geschaffen und dann bis heute nicht geändert" hätten.
Fthenakis fordert Verbesserungen für Erzieherinnen und Erzieher
In einem Interview mit HR-Info am Freitag, den 15. Mai 2009, zeigt Prof. Dr. Wassilios Fthenakis Sympathie und Verständnis für den Streik der Erzieherinnen, mit dem sie bessere Arbeitbedingungen und eine bessere Bezahlung durchsetzen wollen. Der chronisch unterfinanzierte Kita-Bereich sei das Fundament im Bildungsverlauf, in das man mehr investieren müsse.
Auf die Frage, ob den Erzieherinnen und Erziehern mit kleineren Gruppen bereits geholfen sei antwortete er:
"Ich glaube, dass wir an mehreren Fronten die Gesamtsituation verbessern müssen. Der Erzieher-Kind-Schlüssel ist eine davon. Aber wir müssen insgesamt die Rahmenbedingungen des Arbeitens in den Kindergärten verändern. Wir investieren nicht genug, um wirklich die Rahmenbedingungen so zu gestalten, wie sie sein sollten oder wie sie auch andere europäische Länder bereits bieten. Wenn Sie Deutschland und Schweden vergleichen, dann werden Sie sehen, dass die Schweden viermal mehr Mittel in diesem Bereich investieren als wir. Wir lassen systematisch und chronisch diesen Bereich unterfinanziert, obwohl wir heute wissen, dass das der wichtigste Bereich ist, das Fundament überhaupt im Bildungsverlauf. Deshalb wird es notwendig sein, mehr Mittel in diesen Bereich zu investieren, damit die Relation Erzieher-Kind verbessert werden kann, damit die Einrichtung auch mit entsprechenden Materialien ausgestattet werden und vor allem, damit die Fachkräfte gut professionalisiert werden."
Heute wisse man, so Fthenakis weiter, dass es nicht allein reiche, Kindern Wissen zu vermitteln, "sondern wir müssen die Kinder von Anfang an in ihrer Gesamtentwicklung unterstützen und die Grundkompetenzen stärken."
Quellen: Dortmunder Ruhr Nachrichten, heute.de, hr-info
Auch der Hauptvorstand der GDL zeigt sich solidarisch und unterstützt die Streiks von GEW und ver.di:
"Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erklärte sich solidarisch mit dem Arbeitskampf, den die Mitglieder der Mitgliedsgewerkschaften der dbb tarifunion, der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zurzeit in den kommunalen Kindertagesstätten führen!" heißt es in einer im Juni verabschiedeten Erklärung
Auch der Personalrat der "Kindergärten City", ein Eigenbetrieb des Landes Berlin, solidarisiert sich mit den streikenden Kolleginnen und Kollegen in der ganzen Bundesrepublik.
Berlin ist nicht Mitglied der VKA, weswegen in Berlin selbst nicht gestreikt wird.